Henfflin. Die jüngste Untersuchung zu Henfflin stammt von Ute von Bloh, der hier ge¬ folgt sei. — Acht Codices aus der Henfflin-Werkstatt sind bekannt, die heute allesamt in Heidelberg aufbewahrt werden: außer dem Herpin ein dreibändiges Altes Testament mit insgesamt 300 Miniaturen (Cpg 16, 17, 18); den Sigenot mit über 100 Miniaturen — hier si¬ gniert Henfflin — (Cpg 67), Pontus und Sidonia mit 131 Miniaturen (Cpg 142), Wittich vom Jordan (Cpg 353), schließlich ein Lohengrin (Cpg 345) mit 98 Illustrationen. Die Miniaturen sind geläufig formuliert unter Verwendung einer Anzahl von Standard¬ mustern, die gekonnt variiert werden. Manche Szenen haben ihre ikonographischen Wur¬ zeln in entsprechenden sakralen Szenen, etwa die Geburt, die Flut oder die Aufmärsche von Kriegern, die an Szenen erinnern, in welchen das himmlische Jerusalem betreten wird. Die Turnierszenen, einmal entwickelt, variieren untereinander kaum. IV. Die fränkische Herpin-Handschrift in Berlin, 1487 Der Berliner ,Herpin’ ist die späteste Handschrift eines Elisabeth-Romans. Auch sie kann, ähnlich wie der ,Loher und Maller’ aus der Henfflin-Gruppe, einer Künstlerpersönlichkeit zugesprochen werden, dessen Cfeuvre zwar gruppiert werden kann37, aber zum Werk des fränkischen Künstlers fehlt bislang der Name. Von ihm stammen u.a. noch zwei vielfigu- rige Kreuzigungsszenen: ein Ölgemälde im Frankfurter Städel38 und eine vielfigurige und damit allein schon durch ihre Ikonographie auffallende Zeichnung Christi in der Rast in der Pierpont Morgan-Bibliothek in New York39 Fedja Anzelewsy sagt über diesen Meister: „Die 90 Federzeichnungen ..., welche den ers¬ ten Teil der Handschrift schmücken (der Rest bleibt ohne Illustrationen), lassen einen phantasievollen, formal sehr eigenwilligen Künstler erkennen. Seine Figuren wirken durch ihre oftmals zu großen Köpfe unproportioniert, die Gesichtszüge streifen nicht selten die Karikatur.... Charakteristisch für den Gewandstil dieses Künstlers ist das Nebeneinander von größeren weißen oder schraffierten, sonst jedoch ungegliederten Flächen und klein- teiligem ... Faltenwerk. Seine Kompositionen sind durch klare räumliche Gestaltung so¬ wohl bei Innenräumen als auch bei Landschaften ausgezeichnet, wenn auch die Perspek¬ tive zumeist nicht stimmt, was besonders bei Szenen im Zimmer deutlich wird— Bei der Wiedergabe von Innenräumen läßt sich die Vorliebe des Künstlers für waagerechte Paral- lelschraffuren feststellen, die er in Kontrast zu hellen Wandflächen setzt. Die zumeist mit einem Kreuzstock versehenen Fenster haben den Querbalken ungewöhnlicherweise stets im unteren statt im oberen Drittel der Öffnung. Ein weiteres Charakteristikum seiner Kunst ist die eigenartige Mischung von zeitgenössischen und älteren Kostümbestandtei¬ len.“40 37 Anzelewski, Fedja: „Eine Gruppe von Malern und Zeichnern aus Dürers Jugendjahren“, in: Jb. der Berli¬ ner Museen 26 (1970), S. 46-59, hier S. 49-51. 38 Abb. 20 bei Anzelewski (wie Anm. 39). 39 Abb. 19 bei Anzelewski (wie Anm. 39). 40 Anzelewski (wie Anm. 39). 605