Man muß registrieren, daß die kaum fernab von (b) arbeitende Prosafassung (x) manche der Wortschatzbesonderheiten der Versübersetzung beseitigte oder ersetzte61, so bei den Lehnwörtern keten „Löwenzahn“ durch Tilgung. Ersetzt wurden karich durch karr „Kar¬ ren“, boppe (in einem Sinne) durch abtgot, mallete „Beutel“ durch watsack „Reisetasche“ bzw. schryn „Kasten, Schrein“, und sich fiden teilweise durch sich verlassen; bei den Erbwörtern er¬ folgte bei gatii „Spaß, Spott“ Umschreibung, kladde „Klumpen“ wurde ersetzt durch teyl, ferner sprinke „Heuschreck“ durch hupper „Hüpfer“, huldeschajf „Vasalütät“ durch manschajt und das wohl ganz archaisch klingende ge-wist „Aufenthaltsort, Land“ durch ende, lant, wo- nunge u.a. Was dürfen wir nun als Resultat dieser Untersuchungen buchen? PTM (b), die Versübersetzung der ‘Pèlerinage de vie humaine' des Guillaume de Digulle- ville, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im lothringisch-saarländischen Raum, zwi¬ schen Sprachgrenze und Hunsrück, am Nordrand des Rheinfränkischen, entstanden, wo¬ bei unter den klösterlichen Stätten des Raumes St. Avold, Longeville/Lübeln, allenfalls auch Bouzonville/Busendorf und Wadgassen oder gar Weiler-Bettnach, ein Zisterzienser¬ kloster, in Frage kämen, freilich auch die Residenzstadt Saarbrücken. Die Evidenz für die¬ se Lokalisierung kommt aus vier Quellen: 1. aus der lothringischen Vorlage der Übersetzung; 2. aus der besitzgeschichtlichen Rückführung auf Margarethe von Rodenmachern aus dem Hause Nassau-Saarbrücken; 3. aus der dialektalen Verankerung dem Lautstande nach an der Nordgrenze des Rhein¬ fränkischen; 4. aus der wortgeographischen Verankerung im sprachgrenznahen Raum zwischen Saar und Mosel. Damit ist - was angesichts der dünnen Textüberlieferung aus diesem Raume nicht gering¬ zuschätzen ist - ein neues Zeugnis der frühneuhochdeutschen Literatur und Sprache des Saar-Moselraumes gewonnen. Nicht endgültig zu klären ist vorläufig, ob eventuell Elisa¬ beth (oder gar ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin ihrer Übersetzungen) an PTM mit¬ gewirkt hat. Als nächste Aufgaben bleiben: die Edition der Prosafassung von PTM und der Vergleich mit der Textüberlieferung der Region im fünfzehnten Jahrhundert, insbe¬ sondere mit den Werken der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, die selbst teilweise noch der Edition, gewiß aber einer sprachlichen und wortgeographischen Erschließung harren. 01 Es wäre eine lohnende Aufgabe, die Lehn- und Fremdwortintegration (romanische Altschicht, Fach¬ wortschatz, Grenzentlehnungen, okkasionelle Entlehnungen usw.) in PTM zu untersuchen. 568