nächster männlicher Verwandter des Verstorbenen nicht akzeptieren wollte, daß nicht er, sondern Karls Schwiegersohn René von Anjou die Nachfolge als Herzog von Lothringen antreten sollte. In der Schlacht von Bulgnéville hatte Anton zwar seinen Rivalen René mit burgundischer Hilfe besiegen können, doch gelang es ihm nicht, diesen militärischen Erfolg auch in einen politischen umzuwandeln. Da die lothringischen Stände Anton die Zustimmung verweigerten, war er ganz und gar auf die Hilfe des Herzogs von Burgund angewiesen. Dieser verband jedoch mit dem Sieg über René von Anjou, den er als seinen Gefangenen in Dijon festhielt, eigene Absichten. Ihm muß es den eigenen Interessen förderlicher erschienen sein, an René als Herzog von Lothringen festzuhalten. Daher bemühte er sich, zwischen den beiden Rivalen zu vermitteln, wobei er Anton anscheinend auch unter Druck gesetzt hat, so daß dieser sich schließlich zu einer grundsätzlichen Übereinkunft mit René von Anjou einverstanden erklärte. Kurz bevor dies geschah, fand die Besetzung der Burg Groß-Varsberg durch Leute Antons statt. Die Umstände des Überfalls und die Reaktion der Zeitgenossen lassen keinen Zweifel daran aufkommen, daß die Einnahme der Burg nicht in erster Linie gegen Elisabeth ge¬ richtet war, sondern vielmehr dem Zweck dienen sollte, eine Ausgangsbasis für weitere feindselige Handlungen gegen René von Anjou zu gewinnen. Ein solcher gewaltsamer Akt nur wenige Tage vor dem Waffenstillstandsabkommen mit René kann darauf hindeu¬ ten, daß Anton nicht ernsthaft an einer Einigung mit ihm interessiert war. Andererseits ist es aber auch möglich, daß er dadurch seine Position in den weiteren Verhandlungen verbessern wollte. Wie sich der Verlauf dieses Konfliktes in der darüber geführten Kor¬ respondenz darstellt, welche Rolle den daran beteiligten Personen jeweils zukommt und welche Motive sie hatten, soll Gegenstand der nun folgenden Ausführungen sein. 2.1 Die Forschungslage zum Varsberg-Konflikt Anlaß und Beginn der Varsberg-Auseinandersetzung sowie deren Verlauf, der von dem Bemühen Elisabeths bestimmt war, die Burg zurück zu erhalten, sind von der historischen Forschung bislang nur kurz gestreift worden. In seiner „Geschichte des vormaligen Nassau-Saarbrückschen Landes und seiner Regen¬ ten“ vertritt Friedrich Koellner die Ansicht, daß Elisabeth am lothringischen Erbfolge¬ streit „unbezweifelt“ teilgenommen habe. Er bezieht sich dabei auf die Korrespondenz zwischen ihr und ihrem Bruder, die „wegen mutueller Hülfe gegen den Herzog von Loth¬ ringen und Bar“ geführt wurde. Der Bischof von Metz habe in diesem Zeitraum „Ver¬ handlungen zur Beilegung der Mißhelligkeiten gepflogen, weiche wegen der Aufnahme der Lehen zwischen Saarbrücken und Lothringen entstanden waren.“ Er sei es zudem gewesen, der die beiden Burgen Varsberg 1433 „weggenommen und an den Herzog von Lothringen übergeben habe, der sie von Grund aus zerstören ließ.“118 118 Koellner, Friedrich: Geschichte des vormaligen Nassau-Saarbrückschen ¡ ¿indes und seiner Regenten. Drei Theile. Ers¬ ter Theil: Geschichte der Grafen und Dürsten von Sarbrück, Saarbrücken 1841, Nachdruck Saarbrücken 1981 (Saarbrücker Nachdrucke 1), S. 198. 232