die Bekämpfung des von Wenzel zum erblichen Herzog von Mailand erhobenen Gianga- leazzo Visconti sein, ln einer zweiten Ausfertigung der VerhandlungsVollmachten wurde aber noch ein zweiter, näherliegender Widersacher genannt, nämlich Giangaleazzos Schwiegersohn, Herzog Ludwig von Orléans, der jüngere Bruder König Karls VI13. Wir wissen nicht einmal, ob Graf Philipp damals tatsächlich nach Paris gereist ist, jedenfalls kam das angestrebte Bündnis nicht zustande, und wenig später muß Philipp sich die Frage gestellt haben, ob es sinnvoll sei, sich weiterhin noch zu dem nach dem Abbruch seines Italienzuges praktisch schon gescheiterten König Ruprecht zu bekennen, jedenfalls ver¬ schwand er von nun an so gut wie vollständig aus dem Wirkungskreis des römisch¬ deutschen Königtums und ist erst nach dem Tode des Pfälzers (18. Mai 1410) wieder auf¬ getreten, als er sich für die Wahl des Markgrafen Jost zu Ruprechts Nachfolger einsetzte, damit aber nur zum Förderer einer sich rasch verflüchtigenden Episode wurde14: Etwas mehr als zwei Monate nach seiner Wahl (1. Oktober 1410) ist König Jost am 18. januar 1411 gestorben und hat damit seinem schon am 20. September 1410 von anderen Herren gewählten Vetter Siegmund den Weg frei gemacht15. Graf Philipp hat auch unter Sieg¬ mund gelegentlich im Bereich der Reichspolitik mitwirken dürfen, jedoch beschränkte sich das auf einige wenige Geschäfte, von denen eins noch im Zusammenhang mit der Erbfolge in Bar nach der Katastrophe von Azincourt zu berücksichtigen sein wird16. Burgund und Orléans am Westrand des Reiches Wenden wir den Blick nach Westen: Am 18. August 1402 hatte Herzog Ludwig von Or¬ léans von dem schon erwähnten Markgrafen Jost von Mähren, einem Vetter des für abge¬ setzt erklärten Königs Wenzel, die Pfandrechte an dem strategisch ungemein wichtigen Herzogtum Luxemburg gekauft17. Graf Philipp hat noch einige Jahre gezögert, ehe er sich offen zu dem neuen Herrn von Luxemburg bekannte18: Am 3. März 1406 wurde er zu Soissons Lehnsmann Herzog Ludwigs von Orléans, nachdem er sich gemeinsan mit drei anderen Herren der Region — dem Grafen Johann von Salm, Friedrich von Moers, Graf zu Saarwerden, und Gerhard, Herr von Bolchen — verpflichtet hatte, dem Orléans in des¬ sen Kampf gegen die Stadt Metz zu helfen: Ludwig wollte offenbar das erreichen, was 13 Vgl. das Regest der in Anm. 12 genannten Vollmacht. 14 Deutsche Keichstagsakten, Bd. 7, hg. v. Dietrich Kerler, 1877, S. 9 mit Anm. 1. Allgemein: Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle %ur Neuheit, 1368-1437, München 1996, S. 148 ff. Zusammenfas¬ send: Thomas, Heinz: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters, Stuttgart 1983, S. 377 ff. 15 Vgl. zu der Wahl Josts vor allem Heimpel, Hermann: Die Lener von Gmünd und Straßburg 1162-1447, Bd. 2, Göttingen 1982, S. 637 ff. 16 Vgl. u. bei Anm. 70: Philipp unterstützte 1417/18 den Herzog Adolf von Berg beim Kampf um die Markgrafschaft von Pont-à-Mousson, mit der Adolf von Siegmund am 4. Mai 1417 belehnt worden war. 17 Schoos, Jean: Der Machtkampf erwischen Burgund und Orléans unter den Herzogen Philipp dem Kühnen, Johann Oh¬ nefurcht von Burgund und Ludwig von Orléans, Luxemburg 1956, S. 141 ff.; Nordberg, Michael: Les ducs et la royauté. Études sur la rivalité des ducs d'Orléans et de Bourgogne 1392-1407, Uppsala 1964, S. 171 ff. Vgl. noch die in Anm. 1 genannten Werke von Vaughan. 18 Nordberg: Les ducs (wie Anm. 17), S. 178 ff. mit den Quellen. 157