gen normalen historischen Überblick über die Epoche kaum eine Bedeutung zugemessen würde, zum Beispiel die Metzger von Paris6, die Verleumdung einer Königin7 oder die Bedeutung des Herzogtums Berry mit seiner Kapitale Bourges für die Regierung Karls VII8. Schon das erste der bisher genannten Daten, der Todestag des Grafen Philipp, würde An¬ laß zu einer Reflexion über Zusammenhänge zwischen dem Thema dieses Bandes und den Vorgängen in Frankreich bieten: Zwei Wochen später, am Sonntag, dem 17. Juli 1429, wurde in der Kathedrale von Reims Karl VII. zum König geweiht und gekrönt, in unmittelbarer Nähe zum Altar stand die Tochter eines Bauern aus dem Dorf Domremy, das zum Erbe von Elisabeths Cousine Jeanne von Joinville-Bourlémont gehörte9. Aber stellen wir das einstweilen zurück und greifen auf den Beginn der Geschichte zurück, so¬ weit sie in diesen Themenkreis gehört. Philipp, Graf zu Nassau und zu Saarbrücken Zwischen Regnum und Imperium, unter diesen Titel könnte man das Wirken des Grafen Philipp stellen10. Ich will im folgenden sehr knapp und in groben Zügen die Ereignisfolge skizzieren, die mit dem Abschluß der Ehe Philipps mit Elisabeths von Vaudémont- Joinville endete. Die dabei erkennbar werdenden Gegebenheiten und Entwicklungen sind vielleicht am ehesten dazu geeignet, die im Thema angesprochenen Konstellationen Frankreich und Burgund mitsamt ihren Rückwirkungen auf die darunter liegende regiona¬ le Ebene halbwegs übersichtlich zu kennzeichnen. Insbesondere in den letzten Jahren vor dem Sturz König Wenzels und dann am Anfang von Pfalzgraf Ruprechts III. Königtum war das Interesse Philipps unverkennbar auf den Osten gerichtet, wo sich ihm dank seiner Verbindungen zu Erzbischof Johann von Mainz die Möglichkeit zu eröffnen schien, eine steile Karriere im Dienste Ruprechts anzutreten11. Nach der mit Wenzels Absetzung einhergehenden Wahl des Pfalzgrafen zum römischen König am 21. August 1400 avancierte Philipp für einige Jahre zu einem der wichtigeren Helfer des neuen Königs. So wurde er im Juni 1401 vor allem wohl wegen seiner Zwei¬ sprachigkeit mit der Leitung einer Gesandtschaft beauftragt, die in Paris über ein Bündnis verhandeln sollte, und zwar mit Ruprechts Cousine, der Königin von Frankreich, Isabeau de Bavière, sowie mit den Herzogen von Burgund und Berry12. Erstes Ziel der Allianz sollte 6 Vgl. u. bei Anm. 43. Vgl. u. nach Anm. 90. 8 Vgl. u. nach Anm. 103. 9 Vgl. u. nach Anm. 126 und 145 f.. 10 Vgl. Thomas, Heinz: „Philipp Graf zu Nassau und zu Saarbrücken“, in: Saarländische hebensbilder, Bd. 3, Neumann, Peter (Hg.): Saarbrücken 1986, S. 11-42; zu einem Fehler in diesem Beitrag S. 186 u. Anm. 190. 11 Thomas: „Philipp“ (wie Anm. 10), S. 14 ff., bes. S. 22 ff. 12 Deutsche Reichstagsakten, Bd. 4, hg. v. Julius Weizsäcker, 1882, Nr. 298, S. 354 f. 156