Lebensraum und Wirkungsfeld der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken Hans-Walter Herrmann Die Geschichtswissenschaft hat erst Jahrzehnte nach der Literaturwissenschaft die Über¬ tragung französischer Chansons de Geste in spätmittelhochdeutsche Prosa durch Elisa¬ beth von Lothringen-Vaudemont, verehelichte Gräfin von Nassau-Saarbrücken, zur Kenntnis genommen und eigentlich bis heute ihre über die mehr als ein Jahrzehnt andau¬ ernde vormundschaftliche Regierung der nassau-saarbrückischen Lande für ihre beiden Söhne Philipp und Johann weit hinausgehende kulturgeschichtliche Bedeutung nicht voll gewürdigt. Gemessen an der zeitlichen und räumlichen Verbreitung der mit ihrem Namen verbundenen Werke kommt ihrem literarischen Schaffen eine größere Bedeutung zu als jedem anderem Regenten aus den linksrheinischen Zweigen des Hauses Nassau- Saarbrücken, auch größer als dem hierzulande, nicht nur im populärwissenschaftlichen Schrifttum, so hochgelobten Barockfürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken (1718-1768). Die nassauischen Genealogen und Haushistoriographen Johann Andrae', Henrich Dors1 2, Johann Georg Hagelgans3 und Johann Martin Kremer4 erwähnten Elisabeths Überset¬ zungstätigkeit ebenso wenig wie Friedrich Köllner5, Adolph Köllner6 und Karl Menzel7. 1 Johann Andreae, von 1596-1645 nassau-saarbrückischer 'Registrator, hat seine beim Ordnen, Inventarisie¬ ren und Kopieren des Urkundenbestandes des Saarbrücker Archivs erworbenen Kenntnisse zu einer mehrbändigen genealogischen Geschichte des Hauses Nassau und der von ihm beerbten Familien ge¬ nutzt. Über Elisabeth finden sich einige Passagen in der Genealogie der Grafen von Nassau-Saarbrücken (HHStA Wiesbaden Abt. 1002 Nr. 1). Eine ausführliche Würdigung Andreaes als Archivar und Histori¬ ker steht noch aus, vgl. die Angaben bei Dors (wie Anm. 2) S. 17 f. mit Hinweisen auf ältere Literatur u. Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kwnfiographien aus 13 Jahrhunderten, 2. Aufl. Wiesbaden 1992, S. 14. 2 Genealogia oder Stammregister der durchläuchtigen hoch- und wohlgeborenen Fürsten, Grafen und Herren des uhralten hochlöblichen Hauses Nassau samt etlichen konterfeitlichen Epitaphien, kolligiert, gerissen und beschrieben durch Henrich Dorsen, Malern von Altweilnau Anno 1632, unter Mitwirkung der Historischen Kommission von Nassau hg. von der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung e.V., Saarbrücken 1983 (= Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung IX), S. 188-191. 3 Hagelgans, Johann Georg: Nassauische Geschlechtstafel des walramischen Stammes von Graf Henrich dem Reichen bis auf die von ihm stammende in drei fürstlichen Häusern der saarbrückischen Linie gegenwärtig blühende Nachkomme- ne, durch Diplomata und andere archivalische Documenta, auch einige beigefügte Kjipferstiche erläutert, bestätigt und dem Publico mitgeteilt von (...), Frankfurt/Main - Leipzig 1753. Über den Verfasser vgl. Renkhoff, Otto: „Johann Georg Hagelgans, 1687-1762“, in: Nassauische Lebensbilder 5, Wiesbaden 1955, S. 57-69. 4 Johann Martin Kremer behandelte nur die Anfänge des Hauses Nassau bis zur Teilung in die ottonische und walramische Linie im Jahre 1255 (Wiesbaden 1779) und die Geschichte der Grafen von Saarbrücken und Saarbrücken-Commercy (Frankfurt - Leipzig 1785). 5 Köllner, Friedrich: Geschichte des vormaligen Nassau-Saarbrück'sehen Landes und seiner Regenten, 1. Teil: Geschichte der Grafen und Fürsten von Saarbrück, Saarbrücken 1841. 6 Köllner, Adolph: Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann, 2 Bde., Saarbrücken 1865, ND Saarbrü¬ cken 1981. 49