len verantwortlich und hielt dazu einführende Vorträge.Im Jahre 1920 fand ein Vortrags¬ und Aufführungszyklus „Das Drama der Jugend in Deutschland“ statt. Aufgeführt wur¬ den u.a. Goethes „Prometheus“ und Hölderlins „Tod des Empedokles“10. Die theater¬ praktische Tätigkeit ließ Liepe in diesen Jahren bei der Berufswahl zwischen literaturwis¬ senschaftlicher und dramaturgischer Tätigkeit schwanken. Schließlich entschied er sich für die akademische Laufbahn. 1925 wurde er zum nichtbeamteten außerordentlichen Profes¬ sor in Halle ernannt. Bereits 1928 erhielt er einen Ruf auf die Professur für Neuere Deut¬ sche Sprache und Literatur an der Universität Kiel. Zum 1. April 1928 wurde er zum per¬ sönlichen Ordinarius (planmäßiges Extraordinariat, damit Beamter auf Lebenszeit) in Kiel und gleichzeitig zum Direktor des literaturwissenschaftlichen Instituts mit Theatermuse¬ um und Hebbelmuseum ernannt. Letztere Funktion sollte für die kommende Zeit auch seinen Forschungsschwerpunkt bestimmen. 1929/30 führte ihn eine Einladung als Visi- ting Professor an die Harvard University Cambridge/Mass, und eine Vortragsreise an wei¬ tere amerikanische Universitäten. Als akademischer Lehrer bot Liepe Vorlesungen und Seminare zur Literaturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, zur Theatergeschichte in Deutschland und speziell zum moder¬ nen Drama an. In einem zufällig erhaltenen Brief an Artur Kutscher vom 16. Februar 1931 bittet er für eine Doktorandin um Auskunft über zwei in Kutschers Wedekind- Biographie erwähnte Handexemplare des „Erdgeists“ mit handschriftlichen Bemerkun¬ gen11. Zwischen 1928 und 1933 baute Liepe die Sammlungen des Instituts für Literaturwis¬ senschaft in Kiel, das Hebbelmuseum und das Theatermuseum, zügig aus. Dichter¬ handschriften und Hebbel-Dokumente zum einen, Bühnenmodelle und Sprechplatten von den Meiningern bis zur Gegenwart zum andern wurden zusammengetragen. Die Bandumschnitte dieser wertvollen Platten befinden sich heute im „Deutschen Rundfunk¬ archiv“ in Frankfurt a.M12. Mit der Hamburger Rundfunkgesellschaft ,Norag4 vereinbarte er 1933 Direktübertragungen, die unter dem Titel „Theatrum academicum“ direkt aus dem Institut gesendet wurden. Auf seinem Briefkopf wurde dieses Engagement für Schallarchiv und Rundfunk dokumentiert: Liepe war auch Leiter einer „Lauthalle der Schauspielkunst in Arbeitsgemeinschaft mit dem Audio-Vox-Sprachinstitut Berlin“. Ein vergleichbares Interesse an neuen Medien in Verbindung mit Theaterwissenschaft war damals an anderen deutschen Universitäten wohl nicht zu finden. Alle Verdienste um die universitäre Forschung und Lehre und den Aufbau der Sammlun¬ gen konnten Liepe nicht davor bewahren, Ende April 1933 im Zuge des nationalsozialisti¬ schen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ von seinen amtlichen 10 Vgl. Liepes Briefe an Wilhelm von Scholz vom 19.12.1919 und vom 4.1.1920 (Deutsches Literaturar¬ chiv/Schiller-Nationalmuseum/Marbach am Neckar (61.3452/1 und 61.3452/2). Liepe benutzte die Ausgabe: Der Tod des Empedokles von Hölderlin. Für eine festliche Aufführung bearbeitet und einge¬ richtet von Wilhelm von Scholz, Leipzig 1910. 11 Deutsches Literaturarchiv/Schiller-Nationalmuseum/Marbach am Neckar (57.4853). 12 Deutsches Rundfunkarchiv. Historisches Archiv der ARD, Frankfurt a.M., 60006 Frankfurt a.M. 45