turen und Einschränkungen von Liepes Urteil über die literarhistorische Bedeutung Elisa¬ beths in der Gattungsgeschichte des Romans müssen hier nicht wiederholt werden5. Dennoch wird niemand, der sich mit dem Werk der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken beschäftigt, auf Liepes Monographie verzichten können. Nach wie vor stellt sie eine Basis dar, auf die im großen und ganzen gebaut werden kann. Die Dankbarkeit der Forschung gilt einem heute weitgehend vergessenen Gelehrten, der wohl nur noch in seinem zweiten Hauptarbeitsgebiet, der Hebbel-Forschung, bekannt ist. Die Ursachen des Vergessens sind in der Wissenschaftsgeschichte der Germanisdk in diesem Jahrhundert leider nicht außergewöhnlich. Wolfgang Liepe wurde im Dritten Reich von seinem Lehrstuhl vertrie¬ ben und kehrte erst in der Nachkriegszeit wieder nach Deutschland zurück — zu alt, um noch einmal mit seinen Forschungen im Fach große Beachtung zu finden. Wolfgang Liepe6 wurde am 27. August 1888 in Schulzendorf (Kreis Ruppin, Mark Bran¬ denburg) als Sohn eines Pfarrers geboren. Das Kind besuchte bis zum achten Lebensjahr die Dorfschule zu Herzberg (Kreis Ruppin). Nach dem Tod des Vaters 1895 zog die Fa¬ milie nach Potsdam. Dort war Liepe Schüler des humanistischen königlichen Viktoria- Gymnasiums seit 1897. Im September 1906 bestand er das Abitur und studierte zunächst vom Wintersemester 1906 bis zum Sommersemester 1909 in Berlin Germanistik (bei Erich Schmidt, Gustav Roethe und Max Herrmann), Romanistik (bei Heinrich Morf), Philosophie (bei Wilhelm Dilthey, Georg Simmel und Max Dessoir) und Kunstgeschichte (bei Heinrich Wölfflin). Im Herbst 1909 wechselte er nach Paris und studierte dort bis zum Sommersemester 1910 Germanistik und Romanistik bei den Lehrern Charles Andler, Henri Lichtenberger, Joseph Bedier, Charles Brunot, Gustave Lanson und Emile Male. Nach Deutschland zurückgekehrt, belegte er im Wintersemester 1910/11 in Berlin seine Hauptfächer und bezog im Sommersemester 1911 die Universität Halle. Im Frühjahr 1913 schloß er seine Studien mit der Promotion in Germanistik bei den Lehrern Philipp Strauch, Kurt Jahn und Franz Saran ab. Seine romanistischen Lehrer waren Karl Vo- retzsch und Walther Suchier. Liepe hatte eine Dissertation über „Das Religionsproblem 5 Vgl. ebd., S. 132 ff. 6 Die folgenden biographischen und bibliographischen Arbeiten sind mir bekannt; sie werden in meiner Darstellung dankbar benutzt und wurden mit den Angaben in den herangezogenen Akten verglichen: [Schulz, Eberhard?]: „Wolfgang Liepe 1888-1962. Ein Leben für Lehre und Forschung“, in: Hebbel- Jahrbuch 1962, S. 10-14; Wodke, Friedrich Wilhelm: „Wolfgang Liepe (1888-1962). Zum 75. Geburtstag am 27. August 1963“, in: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch, NF, Vierter Band 1963, S. 233-242; Schulz, Eberhard: „Wolfgang Liepe zum Gedenken“, in: Mitteilungen des Deutschen Germanisten-Verbandes 10 (1963), Nr. 4, S. 3-5; Liepe, Wolfgang: Beiträge %ur Literatur- und Geistesgeschichte, hg. von Eberhard Schulz , mit ei¬ nem Geleitwort von Benno von Wiese [Schriftenverzeichnis, zusammengestellt von Erich Trunz], Neu¬ münster 1963; Schulz, Eberhard Wilhelm: „Liepe, Wolfgang“, in: 'NDB, 14. Bd., Berlin 1985, S. 532-533; Geschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel 1665-1965, Bd. 5, Teü 2: Geschichte der Philosophischen Fakultät, bearbeitet von Karl Jordan und Erich Hoffmann, Neumünster 1969, S. 226-227 [Erich Hoff¬ mann]; [Bigler, Ingrid]: „Liepe, Wolfgang“, in: Deutsches Literatur-Lexikon, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, hg. von Heinz Rupp und Carl Ludwig Lang, Bern und München 1984, Sp. 1416; [Institut für Zeitgeschichte]: „Liepe, Wolfgang“, in: International Dictionary of Central European Emigrés 1933- 1945, Vol. II, part 2: L-Z, München/New York/London/Paris 1983, S. 729. 42