skizzenartig entworfenen Rekonstruktion der Bibliothek und der sonstigen literarischen Interessen Elisabeths und ihrer Verwandten94 liegen bedeutsame, sicher freilich nicht die einzigen Desiderata künftiger Forschung95. Die Geschichtswissenschaft hat erst Jahrzehnte später als die Literaturwissenschaft das li¬ terarische Schaffen Elisabeths zur Kenntnis genommen und ihr auch als Regentin und Vormünderin ihrer beiden Söhne Philipp und Johann nie stärkere Beachtung geschenkt, so daß die rund ein Jahrhundert alte Skizzierung ihrer Regierungstätigkeit in Albert Rup- persbergs „Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken“', die mehr auf der noch älteren Darstellung von Friedrich Köllner als auf eigenen Archivstudien fußt, immer noch die beste Information über sie als historische Persönlichkeit bot, obwohl sich aus landes¬ geschichtlicher Sicht die Notwendigkeit verdichtete, einige Angaben Ruppersbergs kri¬ tisch zu überprüfen und stärker als er archivalische Quellen auszuwerten und somit auch der Literaturwissenschaft eine breitere und bessere historiographische Grundlage zu bie¬ ten96. Umkreis des Heidelberger Hofes“, in: Wolfram-Studien 14 (1996), S. 265-293; Haubrichs (wie Anm. 54), S. 18f. 94 Eberhard Freiherr Schenk zu Schweinsberg: „Margarete von Rodemachern, eine deutsche Bücherfreun¬ din in Lothringen, in: Hermann Blumenthal (Hg.): Aus der Geschichte der Handesbibliothek %u Weimar und ih¬ rer Sammlungen, Jena 1941, S. 117-152 (mit 7 Abb.); vgl. ferner z. B. zum Gebetbuch der Margarethe von Rodenmachern in Weimar noch Adolf Klein: „Das Wendalinusbild der Margarete von Rodemachern“, in: Heimatbuch des Handkreises St. Wendel 15 (1973/74), S. 18-21. Gerade die religiösen Interessen des Eli¬ sabeth-Kreises verdienten eine höhere Aufmerksamkeit der Forschung. Zu Recht weist Buschinger (wie Anm. 18), S. 165 darauf hin, daß Elisabeth im Juli 1437 mit ihrem Bruder Anton in Metz ein jeu de la Pas¬ sion, Nostre Seigneur Jhe'su Crist besucht habe. Vgl. zu den Metzer Mysterienspielen des 15. Jhs. (,Mistère de saint Clément1 zwischen 1460/70, Barbara- und Katharinenspiele der Jahre 1485 und 1486) noch Elke Ukena: Die deutschen Mirakelspiele des Spätmittelalters, Bern 1975, S. 305f. [Lit.]; Charles Bruneau/Pierre Ma- rot, in: André Gain (Hg.): Histoire de Lorraine, Nancy 1939, S. 284 u. H.-W. Herrmann in diesem Band S. 109-112 u. 114. Auch die kulturellen Kontakte, die dem Sohn Johann III. in den französischen Sprachraum erwachsen, nachdem er in den 1448 von René d’Anjou gegründeten ,Ordre du Croissant4 aufgenommen wurde, sind zu beachten. 95 Von Schenk zu Schweinsberg (wie Anm. 94) ist z.B. die Frage gestellt worden, ob nicht auch die Berle- burger Versübersetzung der ,Pilgerschaft des träumenden Mönchs4 des Guillaume de Diguleville, von der es zwei abhängige Prosafassungen gibt, ein Werk Elisabeths sei. Vgl. dazu Wolfgang Haubrichs in diesem Band, S. 533-568ff. Damit öffnet sich zugleich der Blick auf einen literarischen Kreis um Elisa¬ beths Tochter, Margarethe von Rodemachern. 96 Vgl. hierzu den Beitrag von Hans-Walter Herrmann in diesem Band, S. 9-124ff. 38