genproblematik intensiv in eine Erörterung der Struktur des ,Huge Scheppek einge¬ bracht36. Ansonsten hat man in der neueren, noch darzustellenden literaturwissenschaftli¬ chen Diskussion um Elisabeths Werke durchaus manchmal den Eindruck, als ob das Be¬ wußtsein davon, daß die Hauptzüge der Handlung, die Motive und die Figurencharakte¬ ristik im wesentlichen schon den französischen Quellen angehört haben, eher gering ist. Sie wären auch für die Erzählstruktur zu beachten. Doch sind Analysen der Struktur und des narrativen Aufbaus der vier Prosaromane Elisabeths ohnehin rar. Eine aus der Schule Günther Müllers stammende Bonner Dissertation (1957) zur „Zeitgestaltung in den Pro¬ saromanen der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken“37 hat wenig Beachtung gefunden. Im Jahre 1971 hat Norbert Thomas eine ausgedehnte Analyse der Handlungs- und Motiv¬ struktur der frühen deutschen Prosaromane vorgelegt, in der auch ,Huge Scheppek und die anderen Chanson de geste-Adaptationen Elisabeths behandelt werden38. Thomas fin¬ det eine Doppelung der Handlungsstruktur: In einer ersten Partie zieht der Held in die Welt hinaus, besteht Abenteuer der Liebe und des Kampfes, gewinnt schließlich auf Grund seiner Tüchtigkeit eine Königstochter. Im zweiten Teil folgen Gefährdungen der Herrschaft, erneuter Auszug des Helden, schließlich Sieg und glücklicher Rückerwerb der Herrschaft. In diese Handlungsstruktur werden in einer Art Motivcollage die verschie¬ densten, in der Tradition der Chansons de geste bereitliegenden Motive eingefügt: Em¬ pörung und Rebellion gegen die Königsherrschaft, überraschende Bravourstücke, Über¬ listung, Verrat, Eifersucht, Mutter-Tochter-Rivalität, Machtgier, blutige Morde und edle Befreiungstaten bewegen die Handlung in stetem Auf und Ab. Walter Haug hat in einer Arbeit, die es in ihrer Tragweite noch später zu würdigen gilt, zu solchem Bauplan zu Recht bemerkt: „Das wirkt wie eine zur bloßen Hülse gewordene Schwundform der höfi¬ schen Doppelkreisstruktur“, des doppelten Cursus der Helden des Artusromans39. Und er hat zutreffend die Leere und Folgenlosigkeit dieses Schemas ausgeführt: „Der Zweck der Doppelform reduziert sich ... auf zweierlei. Zum einen bietet sie einen Rahmen für eine romanhafte“ — ich möchte hinzufügen, historische Epik imitierende — „Breite ... Das zweite, was dieses Schema garantierte und, sobald der Zuhörer oder Leser es erkannte, auch signalisierte, war die schließliche Zusammenführung der Linien im Happy-End. Die thematisch unbelastete Form konnte die Handlung unbelastet zum positiven Ziel führen. Und das sichere Vertrauen darauf gehört wesentlich zum Verständnis dieses Typus.“ Eine 36 Haug, Walter: „Huge Scheppel - der sexbesessene Metzger auf dem Lilienthron. Mit einem Organon ei¬ ner alternativen Ästhetik für das spätere Mittelalter“, in: Wolfram-Studien 11 (1989), S. 185-205. Schon Liepe, Entstehung (wie Anm. 2) S. 19f. hat daraufhingewiesen, wie sehr Elisabeth die Form der französi¬ schen Vorlagen bis hin zur Beachtung der Laissenabsätze der Chansons de geste, bis zu direkten Hinwei¬ sen auf die „Lieblichkeit“ von deren Versform respektierte, so daß man fast daran denken könnte, daß sie die Lektüre derselben empfehlen wollte, auf jeden Fall aber „einen Abglanz von dem poetischen Reiz der Originale in ihre Prosen hinüberretten zu können“ glaubte. 37 Enninghorst, Helmut: Die Zeitgestaltung in den Prosaromanen der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, Diss. Bonn 1957 (Masch.) 38 Thomas, Norbert: Eiandlungsstruktur und dominante Motivik im deutschen Prosaroman des 15. und frühen 16. Jhs., Nürnberg 1971, S. 96f£, 154f£, 176ff. 39 Haug (wie Anm. 36), S. 198. 25