zwischen den Sprachen. Neue erfolgversprechende, aber keineswegs bereits das Thema ausschöpfende Ansätze hat jüngst Peter Bichsei gewagt31 32. Sein eigentliches Interesse gilt freilich einem interessanten stilisdschen Sonderproblem: dem Wandel der lexikalischen Paarform vom Typ rosse vndpberde, lieb oder leyt, stechen vnd slagen im Vergleich mit den früh¬ neuzeitlichen Drucken am Beispiel — selbstverständlich — des ,Huge Scheppelf Wenig auch gibt es seit Liepe zu berichten zur Untersuchung der verzwickten Vorlagen¬ problematik, obwohl die Romanistik inzwischen z.B. eine neue Ausgabe des ,Lion de Bourges432 und des ,Hugues Capet4 vorgelegt hat33. Dabei hat sich für die Handschrift des ,Lion de Bourges4 Paris B.N. fr. 22555 Herkunft aus dem lothringischen Raum des 15. Jahrhunderts ergeben und die Herausgeber äußern die Vermutung, daß die Vorlage der Elisabeth-Texte vielleicht mit diesem Text enger verwandt war. Für ,Hugues Capet4 exis¬ tiert nur eine Handschrift (Paris Arsenal 3145, fol. 1-103v, 15. Jh.), die dialektgeographisch in den Nordosten des französischen Sprachraums weist. Doch zeigt schon die um 1360 entstandene ,Chanson4 eine spezifische und bemerkenswerte Ansippung an andere gestes, wobei v. 3294f. aus Anlaß der Abstammung der karolingischen Erbtochter Marie, die Hu¬ gues heiratete und von der die neue Königsdynastie ihren Ausgang nimmt, der linaige des Karolingers Pépin und die geste des berühmten lothringischen, mit Metz verknüpften Hel¬ den Garin erwähnt wird34. Ansonsten aber stand der von Elisabeth (oder ihrer Mutter) zu¬ sammengefügte Zyklus weder als Ganzes noch in seinen Elementen im Blickpunkt der Forschung35. Die Edition des Wiesbadener Fragments von ,Loher und Maller4 durch Ul¬ rich Mölk ist schon erwähnt worden. 1989 hat der Germanist Walter Haug die Vorla¬ 31 Bichsei, Peter: Hug Schapler - Überlieferung und Stilwandel. Ein Beitrag %um frübneuhochdeutschen Prosaroman und t(ur lexikalischen Paarform, Bern 1999, S. 33ff. 32 Kibler, William W./Picherit, jean-Louis G./Fenster, Thelma S. (Hgg.): Lion de Bourges. Poème épique du XIVe siècle, Genève 1980, 2 Bde., hier Bd. 1, S. Xllff. Vgl. zur Lokalisierung der lothringischen Hand¬ schrift Ruelle, Pierre (Hg.): Huon de Bordeaux, Bruxelles 1960 (= Travaux de la Faculté de Philosophie et Lettres 20), S. 12. Die französischen Arbeiten scheinen die Untersuchung von Wolfgang Liepe (Anm. 2) nicht zu kennen. 33 Laborderie, Noëlle (Hg.): Hugues Capet. Chanson de geste du XIVe siècle, Paris 1997, 34 Laborderie (wie Anm. 33), S. 188. Vgl. Bossuat, Robert: „La chanson de ,Hugues Capet*“, in: Romania 71 (1950), S. 450-481, hier S. 478f. Eine bemerkenswerte, aber kaum beachtete Analogie zu ,Hugues Capet‘ bietet im Rahmen der mit Metz in Verbindungen stehenden ,Gestes des Loherains* die Chanson von ,Hervis de Metz*. Der namengebende Held ist wie Hugues von gemischter Herkunft; er ist ,fils d’un ri¬ che bourgeois de Metz, et petit-fils, par sa mère, du duc de Lorraine. Celui-ci étant perdu de dettes, a en¬ gagés ses terres au bourgeois messin, avant de partir en croisade, et lui a donné sa fille en mariage“. Die- se gegenüber ,Hugues Capet* inverse genealogische Konstruktion war freilich für das lothringische Her¬ zogtum wenig schmeichelhaft, obwohl aus ihr die neue lothringische Dynastie begründet wird. Vgl. Schneider, Jean: La ville de Met^ aux XIIIe et XIVe siecle, Nancy 1950, S. 344. Vgl. Stengel, E. (Hg.): Hervis de Mes, Dresden 1903; Philippe Walter: Hervis de Met% [frz. Übersetzung], Metz/Nancy 1984; Ders., „Lothringerepen“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5 (1991), Sp. 2137f. [Lit.]; Haubrichs, Wolfgang: „Volkssprache und volkssprachige Literaturen im lotharingischen Zwischenreich“, in: Herrmann, Hans- Walter/ Reinhard Schneider (Hgg.): Lotharingia. Eine europäische Kemlandschafi um das Jahr 1000, Saarbrü¬ cken 1995, S. 242 [Lit.]. 35 Vgl. zur zeitgenössischen französischen Chanson de geste Wolf-Dieter Lange in diesem Band, S. 41 lff. 24