Für das Yjemn buch von Burges in Berrye lassen sich immerhin noch fünf Handschriften und drei Fassungen rekonstruieren, die eine zwiefach in der vom Saarbrücker Hof ausgehen¬ den Wolfenbütteler Handschrift (1455/72) und im Straßburger Druck von 1514 vorlie¬ gend, die zweite, wohl älteste von der schwäbischen Berliner Handschrift (vor 1487) und die dritte von der Heidelberger, wohl aus dem Besitz der späteren Pfalzgräfin und Elisa¬ beth-Verwandten Margarethe von Savoyen stammenden Handschrift (± 1475), repräsen¬ tiert19. Dazu kommt noch eine verlorene Handschrift aus der Bibliothek der Pfalzgräfin Mechthild von Rottenburg, die wohl auch die Quelle für ,Herpin‘-Zitate in Werken ihres Hofdichters Hermann von Sachsenheim bildete20. Demgegenüber fanden sich der Sibillenroman und ,Huge SchepeF nur in der vom Saar¬ brücker Hof initiierten Hamburger Handschrift21. Für die Verbreitung des ,Hugec darf man vielleicht noch die schon erwähnte Bearbeitung Conrat Heyndörffers werten, die 1500 gedruckt wurde22. Die ,Sibille‘ fand nicht einmal spät zum Druck, wohl weil sie — wie schon Liepe feststellte23 — der Konkurrenz einer ähnlich konstruierten motivgleichen Versnovelle, der ,Königin von Frankreich4 des Schondoch (kurz vor 1400)24, erlag, die in 24 Handschriften verbreitet war, freilich auch nicht gedruckt wurde. Gedruckt allerdings hatte Grüninger in Straßburg 1500 und 1508 in deutlichem Zusammenhang mit jeweiligen ,Hug-Schapler‘-Nachdrucken die ebenfalls um das Motiv der unschuldig verleumdeten texte qui naît sous la plume d’Elisabeth, qui a de son travail d’adaptation une conception très élaborée.“ Damit geht sie über Liepe, der die Vorlagentreue Elisabeths betont hatte, weit hinaus. Vgl. dazu Bloh, Ute von/Gärtner, Kurt/Heintze Michael, in diesem Band, S. 427-458. Zu berücksichtigen wäre auch die niederländische Übersetzung: Vgl. Iwema, Klaas: „De middelnederlandse fragmenten van Loyhier et Malart. Een bronnen uitgave“, in: Leuvense Bijdragen 75 (1986), S. 433-494. 19 von Bloh 1990 (wie Anm. 10), S. 11, 28£, 30f£; von Bloh (wie Anm. 13), Abschnitt 1; Backes, Martina: Das literarische Leben am kurpfäl^ischen Hof %u Heidelberg im 15. Jh. Ein Beitrag %ur Gönneiforschung des Spätmit¬ telalters, Tübingen 1992, S. 184. 20 Steinhoff (wie Anm. 1), Sp. 484; Backes (wie Anm. 19), S. 191; Behrend, Fritz/Wolkan, Rudolf: Der Eh¬ renbrief des Püterich von Reichertshausen, 1920, S. 17-31; Mueller, Martha: Der,Ehrenbrief des Jakob Püterich von Reichertshausen, die ,Tumierreimei Johann Hollands, der ,Namenkatalog‘ Ulrich Fuetrers. Texte mit Einleitung und Kommentar, Diss. City University of New York 1985, S. 67-146; dazu Grubmüller, Klaus, in: Herfasserlexi¬ kon (wie Anm. 1), 2. Aufl., Bd. 7 (1989), Sp. 920ff. [Lit.]. Vgl. zum ,Herpin' Anm.67f. 21 Steinhoff (wie Anm. 1), Sp. 484f., 486£; Müller (wie Anm. 10), S. 7ff. 22 Sie geht jedenfalls auf eine ältere, der Hamburger Fassung vorausgehende Stufe der Übersetzung zurück, die damit ein drittes, ältestes Textstadium repräsentierte. Vgl. Müller (wie Anm. 10), S. 15f.; Müller (wie Anm. 5) S. 1090. Zu dem 1470 im Dienste Graf Johanns III. nachweisbaren schriber Heindörffer vgl. Klein, Hanns: „Eine anonyme Buchdruckerfamilie im frühen 16. Jh. zu Saarbrücken. Bemerkungen zu ihrer Herkunft, Beziehungen nach Straßburg und zum Saarbrücker Schmucksteingewerbe“, in: Saarheimat 15 (1971), H. 8, S. 154-159, hier S. 156; neu in: Eder-Stein, Irmtraut u. a. (Hgg.): Beiträge ^ur Geschichte von Gewerbe, Industrie und Verwaltung im Westrich und an der Saar für und mit Hanns Klein aus Anlaß seines 75. Ge¬ burtstages, St. Ingbert 1995, S. 191 f. 23 Liepe (wie Anm. 2), S. 181 ff. 24 Vgl. Arnold, Udo: „Schondoch“, in: Vefasserlexikon (wie Anm. 1), 2. Aufl., Bd. 8 (1992), Sp. 820-823. Schon in einer ,Loher und Maller‘-Hs. von 1463 (Heidelberg UB 1012) ist Schondochs ,Königin' neben dem ,Herzog von Braunschweig' hinzugefügt worden. Vgl. v. Bloh 1995 (wie Anm. 10), S. 11. 21