Die weitere Rezeption des 16. bis 17. Jahrhunderts15, die allmählich den Roman um den ersten Kapetinger auf dem französischen Thron, Hugo Capet, in den Vordergrund schob, hat auch die Editions- und Forschungsgeschichte bis heute geprägt, die sich nur zögernd in den letzten Jahren den anderen Übersetzungen Elisabeths zuwandte. Dabei muß die handschriftliche Überlieferung und damit die primäre Rezeption aus einer ganz anderen Perspektive gesehen werden. Es war der ,Loher und Maller', der die Entstehung des ,Rö¬ mischen Reiches deutscher Nation4 und seiner Wahlmonarchie sowie die Dissoziierung des Königreiches Frankreich und seiner Erbmonarchie episch erläuterte, welcher im Vor¬ dergrund des Interesses stand. Wir besitzen davon oder können doch postulieren sieben bis acht Handschriften, die beiden der Langfassung (1455/56 und ± 1486) und die drei der Kurzfassung (1463, 1482, 1493), wobei der Codex Heidelberg UB 1012, geschrieben 1463 von dem Trierer Dominikaner Johannes von Worms , nach Ausweis des Kolophons auf zwei hintereinander geschaltete Vorlagen, beide für Margarethe von Rodemachern in den Jahren 1449 und 1457 verfertigt, zurückgeht. Dazu kommt — wenn nicht mit einer der verlorenen Handschriften identisch - noch die Vorlage des Grüninger-Drucks von 151416. Die 1437 von Elisabeth durch sich selhs, also in eigenem Tun, bedütschetf] Chanson de geste von ,Loher und Maller4 - sicherlich eine der späteren im Kontext der französischen Lite¬ raturgeschichte — hatte ja schon das bevorzugte Interesse von Elisabeths Mutter, der jrorn Margrette greffynne gu nyedemont vnd from c%u Genville hert^og frydericbs von lottringen graffen c^u wiedemont hussfram gefunden, die das Lied im Jahre 1405 aufzeichnen ließ, wie ein am Schluß aller ,Loher und Maller'-Handschriften befindlicher vertrauenswürdiger, geradezu memoria-orientierter Passus betont17. Erst 1988 konnte in Wiesbaden aus ursprünglich Saarbrücker Besitz ein in Lothringen geschriebenes Fragment der französischen ,Loher und Maller4-Fassung, die sonst nur durch Elisabeth und eine mittelniederländische Über¬ setzung repräsentiert wird, aufgefunden und von Ulrich Mölk ediert werden18. 15 Vgl. den Beitrag von Gerhard Sander in diesem Band, S. 569-590. 16 Das Kolophon findet sich in diesem Band, Abb. 49 auf S. 594. Vgl. dazu von Bloh 1995 (wie Anm. 10), S. 12f.; Wolfgang Haubrichs, in diesem Band, S. 533ff.. Die Datierung der beiden von Trierer Schreibern vorgenommenen Abschriften nach spezifisch Trierer Heiligen (Agritius, Helena) verstärkt noch die Be¬ ziehungen zur Bischofsstadt an der Mosel, zu der auch Elisabeths Tochter Margarethe intensive Bindun¬ gen besaß. Die auffällige Handschriften-Genealogie unter Nennung auch der Mutter vermag zu zeigen, in welcher Art und Weise das Haus Nassau-Saarbrücken wie bei den Hamburger Handschriften die Übersetzungen mit dem Namen Elisabeths verband und für deren Rezeption sorgte. 17 von Bloh 1995 (wie Anm. 10), S. 16f.; Dies, (wie Anm. 13), Abschnitt 1. Deutlich scheint nun zu sein, daß man nicht mehr unbesehen bereits der lothringischen Mutter die Zusammenstellung der vier franzö¬ sischen Chansons de Geste zu einem Zyklus zuweisen darf. 18 Mölk, Ulrich: „Lohier et Malart. Fragment eines verschollenen französischen Heldenepos“, in: Nachrich¬ ten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, philologisch-historische Klasse, 1988, Nr. 5, S. 135-164; Ders.: „Lohier et Malart. Fragment düne chanson de geste disparue“, in: Romania 110 (1989), S. 466-492. Einen auf die Art und Weise der Übersetzung gerichteten Textvergleich unternimmt Danielle Buschin- ger: „Le roman en prose en Allemagne à la fin du moyen âge - ses relations avec la France“, in: Kasten, Ingrid u.a. (Hgg.) : Kultureller Austausch und Literaturgeschichte im Mittelalter. Transferts culturels et histoire littéraire au moyen âge, Sigmaringen 1998, S. 155-174, hier S. 164-173. Ihr Fazit (S. 173) ist: ,,C‘est un tout autre 20