In den Vorreden dieser Faksimile-Edidonen und in zwei bedeutsamen Untersuchungen zur späteren Druckgeschichte Elisabeths von Ralf Konczak11 und Bodo Gotzkowsky12 sind die insgesamt eher spärlichen Fortschritte auf dem Gebiete der Überlieferung und Textgeschichte der literarischen Werke Elisabeths dokumentiert. Auch hier repräsentiert die Untersuchung Liepes für weite Bereiche immer noch den Stand der Forschung. Erst neuerdings freilich gelang Ute von Bloh die Sicherung zweier Einzelergebnisse, die be¬ trächtlich weiterführen: Bei ,Loher und Malier4 kann sie nachweisen, daß die Langfassung der Übersetzung (Hamburger und Kölner Handschrift) im 15. Jahrhundert von Kurzfas¬ sungen (Heidelberger, Prager und Wiener Handschriften) begleitet wurden, denen letzt¬ lich auch der Straßburger Grüninger-Druck von 1514 — auf einer der aus dem westdeut¬ schen Raum stammenden Wiener Handschrift nahestehenden Vorlage fußend — zuge¬ hört13. Für den ,Herpin4 konnte sie endgültig nachweisen, daß der Straßburger Druck von 1514 in seiner Bearbeitung direkt von der Braunschweiger, heute in Wolfenbüttel liegen¬ den, auf den Saarbrücker Hof zurückzuführenden Handschrift abhängig ist14. Da die Kurzfassung des ,Loher und Maller4-Romans sich zuerst bei Elisabeths Tochter Marga¬ rethe von Rodemachern 1449 findet, andererseits die Druckfassung des ,Hug Schapler4 eine kürzende, selbständig auf eine Vorstufe der Hamburger Fassung zurückgehende und möglicherweise auch aus Kenntnis französischer Überlieferung bessernde Bearbeitung des ehemaligen Saarbrücker Bediensteten und Schreibers Conrat Heyndörffer darstellt, schei¬ nen auch die Erstdrucke letzten Endes auf den Saarbrücker Hof zurückzuverweisen, wo¬ bei dieses möglicherweise nur indirekte Verhältnis aber durchaus noch weiterer Erör¬ terung bedarf. jau-Saarbrücken. Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 12 in scrinio. Farbmikrofiche-Edition, Mün¬ chen 1993; Bloh, Ute von (Hg.): Hoher und Maller. Übertragen aus dem Französischen von Elisabeth von Nassau- Saarbrücken. Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 11 und 11a in scrinio. Farbmikrofiche-Edition, München 1995. In Vorbereitung ist die Edition der zur Serie der Hamburger Prachthandschriften gehö¬ rigen ,Herpin‘-Handschrift Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek (Cod. 46 Novissimi 2° (B) durch Eva Wolf (Saarbrücken). 11 Konczak, Ralf: Studien zur Druckgeschichte zweier Romane Elisabeths von Nassau-Saarbrücken:,Hoher und Maller‘ und,Herpin\ Frankfurt a.M. 1991. 12 Gotzkowsky, Bodo: , Volksbücher'. Prosaromane, Renaissancenovellen, Versdichtungen und Schrvankbücher. Biblio¬ graphie der deutschen Drucke. TI. 1: Drucke des 15. und 16. Jhs., Baden-Baden 1991 (= Bibliotheca Bibli- ographica Aureliana, Bd. 125), S. 79ff, 83ff, 89ff. Weitere Hinweise auf ,Hug Schapler‘-Drucke bei Schanze (wie Anm. 24), S. 262ff.; Kratzsch, Konrad: Kostbarkeiten der Herzogin Anna Amalia-Bibliothek Weimar, 2. Aufl. Leipzig 1994, S. 152ff. [Druck von 1537]. 13 von Bloh 1995 (wie Anm. 10), S. 12ff.; demnächst Bloh, Ute von: Ausgerenkte Ordnung. Hier Prosaepen aus dem Umkreis der Gräfin Elisabeth von Nassau Saarbrücken, München ca. 2000 (= Münchner Texte und Un¬ tersuchungen, Bd. 120) [im Druck], Abschnitt 1. Die Kölner Handschrift ist eine um 1486 entstandene, aus der Bibliothek der mit dem Hause Saarbrücken verwandten Grafen von Manderscheid-Blankenheim stammende Abschrift der für den Saarbrücker Hof gefertigten Hamburger Handschrift. 14 von Bloh (wie Anm. 13), Abschnitt 1. Bisher ging man von einer Abhängigkeit des Drucks von 1514 von einer der Wolfenbütteler Hs. verwandten Vorlage aus: von Bloh 1990 (wie Anm. 10), S. 59, Anm. 36; Emil Müller: Überlieferung des Herpin von Burges, Diss. Halle a. S., 1905, S. 35f£; Liepe (wie Anm. 2), S. 112; Burchert (wie Anm. 1), S. 197f. 19