weise sein Werk. Er harte sogar die Reise über den Ozean nicht gescheut, um in den Vereinigten Staaten für dieses Projekt zu werben. Zusammen mit Nikolaus August Otto gründete Eugen Langen die erste Motorenfabrik der Welt. Was die politische Tendenz dieser Familie angeht, so hatte Langens Großvater als Abgeordneter in der Paulskirche gesessen, sein Vater und dessen Brüder hatten sich eindeutig für die Reichsgründung engagiert, wobei ökonomische Gründe eine Rolle gespielt haben mögen. Wirtschaftliche Erwägungen sind auch bei dem aufgeschlos¬ senen Verhältnis der Langens dem Nachbarland gegenüber ausschlaggebend, denn die Franzosen galten den rheinländischen Industriellen potentiell als wichtigste Han¬ delspartner. Es war in dieser Familie selbstverständlich, daß man in jungen Jahren französisch lernte, ja Albert Langens Großvater hatte sogar sein Tagebuch teilweise in französischer Sprache abgefaßt. Durch ihre zahlreichen Geschäftsreisen hatten die Langens ein realistisches Verhältnis zu Frankreich gewonnen, das sich nicht immer mit der Staatsräson deckte. Was man in der Familie beispielsweise über den Deutsch-Französischen Krieg dachte, geht aus einem Brief hervor, den Henriette Langen, eine geborene Baslerin, 1870 an ihren Mann Eugen (Albert Langens Onkel) richtete: Es tut mir leid, wenn ich höre, daß junge Leute sich freiwillig stellen und so ihr Leben für den Ehrgeiz ihrer Herrscher aufs Spiel setzen. Es ist unnütz sich für diesen Krieg zu erhitzen, Frankreich hat ihn diesmal sicher vom Zaune gerissen, wie Preußen es vor vier Jahren Österreich gegenüber getan hat. Daß die beiden Nationen noch ein¬ mal aneinander geraten würden, lag außer Zweifel, nur im jetzigen Augenblick war es überraschend. Begeisterung fühle ich keine, ich bedaure nur, mit Mann und Kin¬ dern Untertan zu sein.3 Daß man trotz Anerkennung der grenzsetzenden Rolle des Staates die Möglichkeiten privater Initiativen zu nutzen verstand, bewies Albert Langens Vater, als er sich 1889 über die Empfehlungen der deutschen Regierung hinwegsetzte und im Interesse sei¬ ner Firma auf die Pariser Weltausstellung reiste. Sein zwanzigjähriger Sohn Albert, der gerade eine kaufmännische Lehre absolviert hatte, begleitete ihn, und der junge Mann erlag, wie vor und nach ihm so viele andere, der Faszination der “Lichterstadt” Paris. So hängte er ein Jahr später, gerade mündig geworden, seinen Kaufmannsberuf an den Nagel und ging mit dem mütterlichen Erbteil in der Tasche nach Paris. Angeb¬ lich um sich dort zum Maler ausbilden zu lassen, doch war das nur ein Vorwand. Im Gmnde genommen war er einer der zahlreichen ‘Aussteiger’, denen das Wilhelmini¬ sche Deutschland zu eng wurde und die in der Welthauptstadt eine freiere Luft atmen wollten. Der Ruf, über ein nicht unbeträchtliches Privatvermögen zu verfügen, öffnete Lan¬ gen die Türen der Pariser Salons, wo er mit Vertretern der literarischen Moderne zu¬ sammentraf und sich mit Künstlern wie Théophile Alexandre Steinlen und Jules Ché- ret befreundete. Langen knüpfte in Paris Verbindungen zu französischen Journali¬ sten, am engsten wurde später die Zusammenarbeit mit dem für den Figaro schrei¬ benden Jules Huret, und zu den Korrespondenten der deutschen, österreichischen 3 88 Johann Jakob Langen (1794-1869) und seine Sippe. Herausgegeben vom Langenschen Fa¬ milienverband e.V., Leipzig o.J., S. 199.