zu verbreiteter Unzufriedenheit der uchelwyr geführt hatte,26 gingen dadurch entscheidende Elemente der Stabilisierung verloren. Daher konnten sich die zunächst lokalen, auf den Bereich um Ruthin beschränkten Unruhen rasch auf ganz Wales ausdehnen. Am 16.09.1400 ließ sich Owain Glyndwr in kleinem Kreis zum Fürsten von Wales proklamieren und leitete mit einem Angriff auf die Besitzungen seines Nachbarn Reginald Lord Grey of Ruthin den Aufstand ein. Eine zunächst mög¬ lich scheinende Verhandlungslösung wurde von der englischen Zentralregierung nicht angestrebt, obwohl im Geheimen Rat - Privy Council - im November über den Gegenstand gesprochen wurde: Man erkundigte sich nach den Wün¬ schen des Königs hinsichtlich des Inhalts eines mit Owain Glyndwr zu schlie¬ ßenden Abkommens und bat um die Benennung der Verhandlungsdelegierten. Die Räte fühlten sich hierin durch Owains offensichtliches Interesse an einem solchen Abkommen ermutigt.27 Die insgesamt vier Strafexpeditionen, die Heinrich IV. persönlich gegen die Rebellen führte, blieben allesamt erfolglos. Owain Glyndwr war als Feldherr so erfolgreich, daß er 1404 und 1405 Wales mit Ausnahme weniger Gebiete und einiger isolierter Burgen und Städte voll¬ ständig beherrschte.28 Owain Glyndwr zeichnete sich nicht nur als Heerführer, sondern auch als Staatsmann aus. Schon 1402 trug er seinen nationalen Anspruch nach außen. Indem er sich hilfesuchend an Frankreich und Schottland wandte, reihte er sich gleichberechtigt in den Kreis der europäischen Herrscher ein. Ebenfalls 1402 nahm Owain Glyndwr Reginald Lord Grey of Ruthin und Edmund Mortimer gefangen. Lord Grey wurde rasch gegen 10.000 Mark Lösegeld freigelassen. - Die Auslösung Mortimers hingegen wurde von den Engländern hinausgezö¬ gert.29 Vielleicht, weil er als Onkel des Grafen von March ein dem Lancaster¬ anspruch auf den englischen Thron gefährlicher Rivale war. Owain hingegen gelang es, eine seiner Töchter mit Mortimer zu verheiraten, der sich daraufhin der walisischen Sache anschloß. Eine noch stärkere Erschütterung der Lancaster-Herrschaft hätte sich ergeben, wenn es Lady Despenser im Februar 1405 gelungen wäre, sich mit den beiden Mortimer-Thronanwärtem zu deren Onkel und damit zu Owain abzusetzen.30 Ab 1402 konnte Glyndwr Rivalitäten 26 Vgl. Williams: Owain Glyndwr, S. 9 f. Unter den 16 von 1372-1400 in Wales ernannten Bischöfen befand sich nur ein Waliser. 27 „Item de savoir lentencion [e]t voluntee du Roy quel traitie lui plest q[ue] soit fait ovescques Oweyn de Gleyndourdy pur lui reameasner a lobeissance roiale considérée le bon entente en quel ycelui Oweyn est a p[re]sent de ce faire [e]t queux p[er]sones serront assignez pour treter ovesqfue] lui.“ POPC 1, S. 175. - Zu vgl. POPC 2, S. 59. 28 Vgl. Rees: Historical Atlas, Tafel 51 (a) und (b). 29 Vgl. Adam von Usk, S. 77. 30 Vgl. Davies: Conquest, S. 445. 83