Die englischen Adelsgeschlechter, welche die Markgrafen stellten, starben etwa alle drei Generationen aus. Deshalb waren die Marken häufigem Besitzerwech¬ sel unterworfen. Zudem waren die Markgrafen in der Regel abwesend - soge¬ nannte absentees. Dadurch gewann die lokale Oberschicht besondere Bedeu¬ tung; denn aus ihr wurden die Administratoren der Macht rekrutiert.14 Das wichtigste Auswahlkriterium hierbei war die wirtschaftliche Stellung der Kan¬ didaten - Familienabstammung und Geburt als Waliser oder Engländer waren von untergeordneter Bedeutung.15 * Waliser waren lediglich vom Aufstieg in die Spitzenpositionen der Verwaltung der Marken ausgeschlossen: In der Regel durften sie nicht Constable, Steward oder Receiver werden; diese Ämter standen ihnen nur in der Lokalverwaltung offen, neben anderen, die sich dann auch auf größere Bereiche erstrecken konnten, wie beispielsweise deputy-justiciar oder forresterAb Eine Folge dieser relativen Gleichbehandlung war die Durchmischung der Oberschichten ohne Rücksicht auf die Volkszugehörigkeit. Owain Glyndwr selbst gibt ein Beispiel für die oft praktizierte nationenübergreifende Ehe. Ich nenne dies mit der bisherigen Forschung im folgenden „Mischehe“. Für den Niederadel war Heirat eines der wichtigsten Mittel der kulturellen Anglei¬ chung.17 Die Familie von Owain Glyndwrs Ehefrau ist ein Beispiel für die Of¬ fenheit der advenae für die Durchmischung: Sir Thomas de Macclesfield kam als Offizier unter Eduard I. nach Wales. Er selbst und seine Nachkommen hei¬ rateten walisische Erbtöchter, wodurch sie Besitztümer in Maelor Saesneg18 erwarben. Sein Urenkel David Hanmer wurde 1383 Richter am King’s Bench- Gericht und wurde 1387 zum Ritter erhoben. Sir Davids Tochter heiratete Owain Glyndwr, und seine drei Söhne unterstützten den Aufstand ihres Schwa¬ gers - Sir Davids Sohn Philipp warb noch 1415 in Paris um französische Un¬ terstützung für Owain! Alle drei Söhne waren mit Waliserinnen verheiratet. Diese Art der Annäherung blieb zumeist ohne Auswirkung auf die Unterschich¬ ten, bei denen die Trennung der Nationen überwiegend erhalten blieb.19 Owain Glyndwrs Werdegang ließ ihn Kenntnisse des Englischen Rechts und des höfischen Lebens in London erwerben und kriegerische Erfahrungen in engli¬ schen Diensten sammeln.20 Früh wurde er Knappe des Grafen von Arundel, der 14 „...power on the spot passed to their deputies, drawn from the local notabilities.“ Williams: Recovery, S. 96; siehe auch Davies: Conquest, S. 395 f.; zur Herausbildung regelrechter Ministerialengeschlechter vgl. Jacob, S. 38. 15 Siehe Williams: Recovery, S. 96. Vgl. ebd. S. 37 und Davies: Conquest, S. 415 f. 17 Vgl. Williams: Recovery, S. 94. 18 Ein losgelöster Bestandteil von Flintshire, siehe OSA, S. 156; vgl. Dodd: DWB, S. 336, auch für das Folgende. 19 Siehe Williams: Recovery, S. 94. 20 Siehe Williams: Owain Glyndwr, S. 16. - Ausführlich Tout: DNB 21, S. 428. 81