10) Torren, a. 1139 torrentes duo, unus eiusdem vocabuli orenne < rom. *torrente "Bergbach". So weist etwa der Ortsname Kuchl (Nr. 2) die althochdeutsche Lautverschiebung auf, die als komplexer Prozeß die stimmlosen Verschlußlaute [p,t,k] und anschlie¬ ßend, aber nur im Oberdeutschen, die stimmhaften Verschlußlaute [b,d,g] ergreift. Hier entwickelt sich [k] zum Reibelaut [x] (geschrieben <ch>), demnach roma¬ nisch Cucullas > 8. Jh. althochdeutsch Cuchil. Nun ist es aber bezeichnend, daß zwar einige Ortsnamen der Salzburger Romania die späteren Akte der Lautver¬ schiebung, nämlich den ins 7. Jahrhundert zu setzenden Wandel des [k] vorausset¬ zen (vgl. Nr. 3) und wie in Nr. 1 die noch spätere Entwicklung des stimmhaften [d] zum stimmlosen [t], nicht aber die früheren Akte der Lautverschiebung, näm¬ lich die ins 6. Jahrhundert zu setzende Verschiebung von [t] > [ts] (geschrieben durchweg <tz, z>) bzw. [p] > [pf], wie sich an den Beispielen Nr. 8 Tufal und Nr. 10 Torren mit erhaltenem [t] unschwer feststellen läßt. Das heißt chronologisch, daß von einer Germanisierung im 6. Jahrhundert noch keine Rede sein kann, daß sie vielmehr erst im 7. und 8. Jahrhundert zaghaft und punktuell (Kuchl etwa war ein sekundärer Mittelpunkt, war vicus und Kastell) be¬ ginnt.14 Das zeigt sich auch daran, daß romanische Lauterscheinungen wie die ro¬ manische Sonorisierung bzw. Lenisierung zwischenvokalischer Verschlußlaute [p,t,k] (Nr. 1,4-7) noch an Lauten wie [k] durchgefuhrt werden, die im Falle einer Integration ins Bairische die althochdeutsche Lautverschiebung (wie bei Kuchl de¬ monstriert) aufweisen müßten, z.B. Nr. 5 Gugeldn-Alm, 8. Jh. Cuculane mit [k] > [g] statt althochdeutsch [kj > [x], was etwa *Kucheln ergeben hätte. Nur nebenbei sei bemerkt, daß demnach in der Salzburger Romania (wie übrigens auch in ande¬ ren romanischen Randlandschaften zur Germania) die Sonorisierung anscheinend nicht so früh angesetzt werden kann wie in zentralen romanischen Landschaften.15 Der Eindruck später Germanisierung der Salzburger Romanen verstärkt sich noch, wenn man Fälle wie Nr. 8 Tufal bedenkt, in denen sich die erst seit dem 8. Jahr¬ hundert mögliche Integration von romanischem [vj als althochdeutsch [f] zeigt.16 14 Zur oberdeutsch-bairischen Chronologie der Lautverschiebung läßt sich bereits vergleichen: Emst Schwarz, "Die althochdeutsche Lautverschiebung im Altbairischen (mit besonderer Heranziehung der Salzburger Güterverzeichnisse), in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 50 (1927), S. 242-287; Ders., "Baiem und Walchen", in: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 33 (1970), S. 857-938. ^ Vgl. Max Pfister, in: Zeitschrift für Romanische Philologie 103 (1987), S. 9 Iff.; Ders., "Sonorisierungs- erscheinungen vor dem Jahre 900", in: R. Schützeichel (Hg), Philologie der ältesten Ortsnamenüber¬ lieferung, Heidelberg 1992, S. 311-331; W. Haubrichs, "Lautverschiebung in Lothringen. Zur althoch¬ deutschen Integration vorgermanischer Toponymie der historischen Sprachtandschaft zwischen Saar und Mosel", in: R. Bergmann u.a. (Hgg.), Althochdeutsch, Bd. 2, Heidelberg 1987, S. 1378f. 16 Vgl. Wolfgang Kleiber, "Das moselromanische Substrat im Lichte der Toponymie und Dialektologie", in: W. Haubrichs/H. Ramge (Hgg), Zwischen den Sprachen, Saarbrücken 1983, S. 160; Monika Buchmüller/Wolfgang Haubrichs/Rolf Spang "Namenkontinuität im frühen Mittelalter. Die nichtger¬ manischen Siedlungs- und Gewässernamen des Landes an der Saar", in: Zeitschrift für die Geschichte 105