auch auf ein ärmlich ausgestattetes fränkisches Grab zutreffen können. Daher ist für die Beurteilung die Lage der Gräber innerhalb des Gräberfeldes von entscheidender Bedeutung. Knapp demonstrieren möchte ich dies anhand des Gräberfeldes von Lavoye23, ohne jedoch auf alle notwendigen Schritte einer Gräberfeldanalyse eingehen zu können. Die Gräber zeigen eine starke Differenzierung im Reichtum der Ausstattung, wobei auffällt, daß beigabenlose Gräber sich im Norden stark konzentrieren, während sie - wie üblich auf fränkischen Bestattungsplätzen - in den übrigen Teilen des Gräberfeldes locker verteilt sind24. Fragt man nach der Zeitstellung dieser Nordgruppe innerhalb des Gräberfeldes, so gehört ein ausnahmsweise besser ausgestattetes Männergrab (Grab 309)25 in das frühe 6. Jahrhundert. In dieselbe Zeit datieren erstens die in einer abgesonderten Gruppe liegenden reichen Gräber, in denen der Gründer der fränkischen Ansiedlung mit seinen Angehörigen bestattet war26, weiter an drei Stellen Gräber, die jeweils den Kern von Untergruppen innerhalb des Gräberfeldes bilden27. In diesen drei Gruppen wurde mit der Bestattung also zur gleichen Zeit begonnen wie in der uns besonders interessierenden Nordgruppe. Diese innere Struktur ist typisch für Gräberfelder im linksrheinischen Gebiet28. Daß die Untergruppen Bestattungs- areale von Personengemeinschäften, wohl Hofgemeinschaften, innerhalb der gesamten Siedlungsgemeinschaft darstellen, ist allgemein anerkannt. Deswegen darf diese Nordgruppe, in der das Totenritual B geübt wurde, als Bestattungsareal eines romanischen Personenverbandes angesprochen werden. Hier war nämlich zunächst die Bestattung im Totenhemd fast allgemein üblich; in den Randzonen lassen sich dann einige Gräber feststellen, die der eingeschränkten Ausstattungssitte des Totenrituals B folgen29. Leider läßt sich diese Gruppe nicht weiter verfolgen, weil bereits gegen Ende des 6. Jahrhunderts das Prinzip der gruppenweisen Bestattung aufgegeben wird. Nunmehr werden alle Gräber in einer breiten Zone im Westen des Gräberfeldes angelegt. Joffroy,Le cimetière de Lavoye (Meuse). 24 Ebd. Plan I. 25 Ebd. S. 130 Taf. 30, 309. 26 Männergrab 319, Frauengrab 307, Mädchengrab 3076*s und Gräber von Kleinkindern (Grab 304-306): ebd. 129ff. Taf. 30-32. - Zur Interpretation dieser Familiengruppe im Zusammenhang vergleichbarer Erscheinungen vgl. Ament, Adelsgräber von Flonheim, S. 144ff. 27 Grab 225 und 236 (Joflroy, Le cimetière de Lavoye [Meuse], S. 123f. Taf. 24, 225 und S. 124f. Taf. 25,236), Grab 223 (ebd. S. 123 Taf. 24, 223) sowie Grab 288 und 290 (ebd. S. 128 Taf. 29, 288. 290). - Zur Belegungschronologie vgl. auch Périn, La Datation des tombes mérovingiennes, S. 273 ff. Abb. 143-149 (mit in Einzelheiten abweichenden relativchronologischen Ansätzen aufgrund der von Périn erarbeiteten Regionalchronologie, in der nicht alle prinzipiell zeitlich aussagefahigen Formen exakt eingrenzbar waren). 28 Zum inneren Aufbau von Gräberfeldern vgl. die Übersicht bei Steuer, Frühgeschichtliche Sozial¬ strukturen, S. 458-459, Abb. 109-110. 29 Vgl. dazu detailliert Stein, in: ArchaeologiaMosellana 1 (1989), S. 164f. 76