hinunter an die Pyrenäen. In der Auvergne, im Rhonetal und in der Provence wird die Annäherung an fränkisches Totenbrauchtum jedoch nur ganz selten vollzogen. Im allgemeinen wird an einer Bestattung im Totenhemd ohne irgendwelche Beigaben seit der ausgehenden Spätantike festgehalten17. Zusammenfassend kann man die aus den beiden Totenritualen resultierenden Ausstattungssitten wie folgt charakterisieren: Die Ausstattung in den Gräbern der Franken ist vielfältig und bietet - um mit Hermann Ament zu sprechen - einen "Katalog positiver" Merkmale, während die der Romanen einfach ist und demnach einen "Katalog negativer Merkmale" zeigt. Deutlich ist aber der wesentliche Unterschied besonders in der Frauentracht und der Sitte der Waffenbeigabe. Durch diese besonderen Merkmale des Totenrituals, vor allem der Aufbahrung in der Tracht der Lebenden, wird die Zugehörigkeit zu jeweils einer Gruppe mit gemeinsamer Tradition ausgedrückt; es wird also eine Facette des "Selbstverständ¬ nisses" in der Tracht- und Ausstattungssitte sichtbar, die in dieser Zeit eigentlich nur in dem Zugehörigkeitsgefuhl zu einer gens im Sinne von Wenskus18 bestehen kann. Auf diese Weise kann nach meiner Auffassung eine fränkische und eine romanische Tracht- und Ausstattungssitte in den Gräbern unterschieden werden. 2.3 Assimilationsvorgänge Dieser erste Assimilationsvorgang19 vollzieht sich während des 6. Jahrhunderts mit einem regional unterschiedlichen Beginn. Dies soll hier nicht näher untersucht werden, ebensowenig die sich aufdrängende Frage, welche sozialen Schichten der romani20 an diesem Akkulturationsprozeß beteiligt waren. Festgehalten sei nur, 17 Zu der Verbreitung von Tracht und Beigaben führenden Gräbern nach dem Totenritua! B und beigabenlosen Gräbern vgl. Gaillard de Semainville, Les cimetières mérovingiens de la Côte chalonnaise et de la Côte Mâconnaise, bes. S. 185; Colardelle, Sépultures et traditions funéraires du Ve auXIIIe siècles dans les Alpes françaises du Nord, S. 345ff. mit Verbreitungskarten Abb. 127-129. 18 WieAnm. 1. 19 In der anschließenden Diskussion vertrat Volker Bierbrauer den Standpunkt, daß nicht unbedingt mit einer Angleichung an fränkisches Totenbrauchtum gerechnet werden dürfe, weil es sich um ein Phänomen handele, das im gesamten Mittelmeerbereich nachweisbar sei, auch dort, wo keine Kontakte zu Germanen mit einem heidnisch-synkretistischen Totenritual feststellbar seien. Max Martin verwies auf ähnliche Verhältnisse bei den inneralpinen Romanen, wo an einem christlichen Symbolgehalt bestimmter Beigaben nicht zu zweifeln sei, die ebenfalls nur einem geringen Prozentsatz der Ver¬ storbenen beigegeben worden sei. Ausführlich dazu Martin, in: Archäologie der Schweiz 11, (1988), S. 167ff,, bes. S. 169f. Dem Argument der Vortragenden, daß dieser Interpretation für den gallischen Bereich das Verhalten der senatori sehen Aristokratie (Bestattung im Totenhemd) entgegenstehe und daß wohl auch im mediterranen Bereich Oberschichtsgräber mit Trachtausstattung und anderen Beigaben fehlten, begegnete Bierbrauer mit dem Hinweis, daß in Säben auch Gräber der dortigen romanischen Oberschicht nachweisbar sind, vgl. dazu Ders., in: Der Schiern 62 (1988), S. 29 If. Dieser Frage kann hier nicht weiter nachgegangen werden. “10 Zu dieser Selbstbezeichnung, die seit dem ausgehenden 6. Jh. häufiger verwendet wird, vgl. Ewig, Volkstum und Volksbewußtsein, S. 246ff. 74