1866 dazugekommen waren. Der Raum der preußischen Saarkreise, für den - zeitweise unter Einschluß des Kreises Saarburg - lange Zeit (erstmals 1832) die Bezeichnung Saargebiet verwendet wurde4, war immerhin über 100 bzw. über 80 Jahre (Landkreis St. Wendel) lang Teil der Provinz; jene „rheinischen“ Teile des heutigen Saarlandes, die erst nach dem 2. Weltkrieg der französischen Saar zugeschlagen wurden, gehörten ihr gar über die gesamte Zeitspanne ihres Beste¬ hens an. Es sind dies Gebiete des Restkreises Wadern und der ehedem zum Kreis Trier-Land gehörende Amtsbezirk Nonnweiler, vereinzelte Gemeinden des Kreises Saarburg sowie Teile des Amtes Nohfelden, das aus dem Kreis Birkenfeld herausgelöst wurde5. Trotz langjähriger Pertinenz großer saarländischer Gebietsteile zum Rheinland bleibt die rheinische Geschichte der Saar in der Historiographie unterrepräsentiert6. Weder finden sich einschlägige neuere Untersuchungen, welche das Verhältnis von Saar und Rheinprovinz thematisiert hätten7, noch scheinen die Darstellungen zu dieser Epoche saarländischer Geschichte ihre Einbettung in gesamtstaatliche Verhältnisse genügend zu berücksichtigen8. Von außen gesehen, zumal aus rheinischer Perspektive und mit etwas Distanz zu der doch sehr ausgeprägten und inzwischen von der Forschung thematisierten saarländischen Identität9, kann so leicht der Eindruck entstehen, als sei der saarländische Sonderweg bereits in der preußischen Zeit, lange vor Versailles, angelegt gewesen. Die politischen und administrativen Verflechtungen zur Provinz, die raumerschließenden kulturellen 4 Vgl. die Übersichtskarte in Kästner (wie Anm. 2), S. 10. Zur Einordnung der Ereignisse vgl. H. Klein, Die Saarlande im Zeitalter der Industrialisierung, in: ZGSaarg. 19 (1981), S. 93-121, hier S. 93-95. Zu den unterschiedlichen Bezeichnungen der Saarlande vgl. H.- W. Herrmann, Das Saarevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende (1871-1918), in: DERS. (Hg.), Das Saarevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende (1871-1918) (Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung 18), Saarbrücken 1989, S. 9-39, hier S. 11 ff. Die Eingliede¬ rung des Kreises St. Wendel ist mehrfach schon beschrieben, zuletzt ausführlich von H. Klein, Der Landkreis St. Wendel von 1835-1985. Streiflichter, Notizen und Anmerkungen zu seiner 150jährigen Geschichte, in: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel 20 (1983/84), S. 254—290. 5 H.-W. Herrmann, G. W. Sante, Geschichte des Saarlandes, Würzburg 1972, S. 45, ferner die Übersichtskarten in G. Paul, Von der Bastion im Westen zur Brücke der Verständigung. Politische Geschichte 1815-1957, in: Das SAARLAND (wie Anm. 6), S. 23-50, hier S. 48 f. 6 Dieser Eindruck entsteht bei der Durchsicht neuerer, im übrigen sehr ausführlicher Saardarstellungen wie etwa: Richtig daheim waren wir nie. Entdeckungsreisen ins Saarrevier 1815-1955, hg. von K.-M. Mallmann, G. Paul, R. Schock u. R. Klimmt, Berlin/Bonn 1988; Das Saarland. Politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, hg. von Saarland, Der Chef der Staatskanzlei, Landeszen¬ trale f. polit. Bildung, Saarbrücken 1989; R. Van Dülmen (Hg.), Industriekultur an der Saar. Leben und Arbeit in einer Industrieregion 1840-1914, München 1992; vgl. auch den Forschungsüberblick von H.-W. Herrmann (wie Anm. 4), S. 14 ff. 7 Die einzige monographische Behandlung, die freilich heutigen Ansprüchen kaum noch gerecht wird, bildet die Arbeit von J. Bellot, Hundert Jahre politisches Leben an der Saar unter preußischer Herrschaft 1815-1918 (Rheinisches Archiv 45), Bonn 1954. 8 F. Jacoby, Saarland (Literaturbesprechung), in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 127 (1991), S. 555-609, bemerkt dies S. 560 zu Recht in bezug auf einige der in Anm. 6 zitierten Darstellungen (Van Dülmen; Das Saarland ...). 9 R. WiTTENBROCK, Identitätsbildung in einer Grenzregion: Das Saarland bis 1935, in: ZGSaarg. 41 (1993), S. 219-227 mit den einschlägigen Literaturhinweisen, deutet nicht einmal ansatzweise so etwas wie ein rheinländisches Bewußtsein oder Zusammengehörigkeitsgefühl an, sondern sieht wie schon Paul (wie Anm. 5) allenfalls eine nationale preußisch-deutsche Dimension. 488