Welsch, Prof. Adolf Blind9, und dem Direktor im Kultusministerium, Prof. Eugen Meyer10, begleitet wurde, am 8. November 1955 gegen die zirkulierenden Gerüchte einer Schließung der Universität11. Gegenüber französischen Korrespondenzpartnern interpretierte Angelloz das atmo¬ sphärisch dans une confusion totale erfolgte Referendum zwar als coup très dur gegenüber Europa. Dazu habe aber bereits das negative Votum der französischen Nationalversammlung am 30. August 1954 zur Europäischen Verteidigungsge¬ meinschaft den Weg gewiesen. Wohl beunruhige ihn das sich von der ersten Abstimmung wenig unterscheidende Niveau des Abstimmungskampfes. Doch für die Universität bleibe er optimistisch, zumal les professeurs allemands eux-mêmes proclament la nécessité pour l’Université de la Sarre d’être de plus en plus européene. Ebensowenig befürchte man, que la France se désintéresse de cette université qu’elle a creé12. Bei internen Beratungen, deren Ergebnisse verblüffend rasch in die Öffentlichkeit drangen, begrüßte Angelloz dann auch eine finanzielle Beteiligung der Bundesrepublik, hielt es gleichwohl noch wünschenswerter, die Grundlagen der Universität durch eine Hinzuziehung aller Montanländer zu erweitern13 14. In einer Entgegnung forderte die „Deutsche Saar“ die Universität in deutsche Hände14 und griff Überlegungen des Direktors im Kultusministerium und Ordinarius für mittelalterliche Geschichte, Prof. Eugen Meyer, auf. Im Rahmen eines Presseempfangs hatte Meyer die Existenz der Universität, die bei der internationalen Zusammensetzung des Lehrkörpers auch eine Keimzelle der Supra¬ nationalität bleiben könne, als sehr wohl berechtigt bezeichnet. Ein Weiterbestehen in der gegenwärtigen Struktur sei allerdings kaum noch tragbar. Meyer votierte für den Anschluß an die deutsche Universitätstradition, die Autonomie der Hochschu¬ le, die freie Wahl des Rektors, die Gestaltung des akademischen Lebens von den Fakultäten her und vor allem für Freiheit der Forschung, der Lehre und des Studiums15. Unerachtet des baldigen Konsenses über den Erhalt der Universität war damit der Spannungsbogen der Diskussion um zukünftige Gestalt und Struktur der Hochschu¬ le markiert. Konnte die Universität des Saarlandes ihre europäische Orientierung bewahren oder sollte sie „nur“ eine rein deutsche Landesuniversität sein? Die mit 9 Prof. Dr. Adolf Blind. Geboren 1906 in Frankfurt. Seit 1936 Leiter des Statistischen Amtes des Saarlandes. Seit 1950/51 Lehrbeauftragter für Statistik, seit 1951 außerordentlicher Professor und seit 1952 ordentlicher Professor mit vollem Lehrauftrag an der Universität des Saarlandes. 1955-1957 Minister für Finanzen und Forsten. (Befragung durch das Universitätsarchiv 20.1.1993). 10 Prof. Dr. Eugen Meyer (1893-1972). 1949-1961 Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität des Saarlandes. Zur Biographie: H.-W. HERRMANN, Eugen Meyer 1893-1972. Eine biographische Skizze, in: Saarheimat 1973, S. 74-79. 11 Vgl. dazu: Tore bleiben geöffnet, in: Spéculum - Saarländische Studentenzeitschrift 1 (November 1955) S. 1. 12 So Angelloz am 30.11.1955 an das Mouvement Démocratique et Socialiste pour les Etats Unis d’Europe und in ähnlicher Argumentation am 1.12.1955 an Robert Schuman (Universitätsarchiv Saarbrücken, Bestand Rektorat). 13 Reform der Saaruniversität, in: Frankfurter Allgemeine 6.12.1955. 14 Universität in deutsche Hände, in: Deutsche Saar 15.12.1955. 15 Vgl. Prof. MEYER: Saar-Universität ist nötig. Aber Anschluß an die deutsche Hochschul-Tradition, in: Neueste Nachrichten 28.11.1955. 476