Revier“ praktisch ab, wobei zu beachten ist, daß der Begriff sich nicht etwa nur auf das Grubengebiet bezog. Zum eigentlich „modernen“ Namen für das Industrierevier wurde seit den 1870er Jahren jedoch der Name „Saargebiet“. Er fand auch Eingang in die Namen von Institutionen und Behörden. Die Bildung eines „Handels- und Gewerbevereins für das Saargebiet“ als Zweig des gerade gegründeten „Zentralver¬ eins zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen“ wurde bereits 1871 diskutiert17. 1874 kam es zur Gründung unter dem Namen „Verein zur Wahrung der industriellen Interessen des Saargebietes“. Er löste sich unter dem Druck Carl Ferdinand von Stumms aber bald wieder auf18. 1885 bildete sich ein „Verein gegen Wucher im Saargebiet“19. Der erwähnte „Gewerbeverein für die Saargegend“ von 1896 hat seinen Namen 1903 programmatisch in „Kunst-und Gewerbeverein für das Saargebiet“ abgeändert. Der Wandel der Benennung des Saarraumes im 19.Jh. spiegelt sich anschaulich im Wechsel der Untertitel der bedeutenden und heute noch bestehenden „Saarbrücker Zeitung“20. Abgesehen vom Zeitraum 1848-1861, in dem sie sich „Saarzeitung“ nannte, behielt der Haupttitel immer seinen Bezug zur Stadt Saarbrücken. Mit dem 1861 gewählten neuen Titel „Saarbrücker Zeitung“ gab sie sich den Untertitel „Tagblatt für St. Johann und Saarbrücken“, der später geändert wurde in „Tagblatt für Saarbrücken und St. Johann“. In den 1880er Jahren lautete er „Tagblatt für Saarbrücken, St. Johann und das Saarrevier“, in den 1890er Jahren „Tagblatt für Saarbrücken, St. Johann, Malstatt-Burbach und das Saargebiet“. Bei Kriegsbeginn 1914 hieß er: „Verbreitetste unabhängige Tageszeitung und Haupt-Insertions-Organ im südwestdeutschen Industrie-Bezirk“, bei Kriegsende: „General-Anzeiger und Handelsblatt für Südwest-Deutschland. Verbreitetste unabhängige Tageszeitung im südwestdeutschen Industriegebiet“. Während der Völkerbundszeit taucht dann wieder der Name „Saargebiet“ im Untertitel auf. Neben der „Saarbrücker Zeitung“ benutzte eine ganze Reihe von Zeitungen und Zeitschriften, Organisationen etc. den Namen „Südwestdeutsch“21. Als neuer Begriff in unserer Reihe erscheint hier erstmals „Südwest-Deutschland“ bzw. „Südwestdeutsch“. Für den heutigen Sprachgebrauch ganz ungewohnt ist damit nicht etwa der baden-württembergische Raum, sondern das Saarrevier mit seinen benachbarten Industrielandschaften gemeint, vor allem Lothringen und Luxemburg. Das Aufkommen des Namens „Südwest-Deutschland“ bzw. von „Südwestdeutsch“ in dieser Bedeutung und seine weite Verbreitung in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg stand in engem Zusammenhang mit dem Aufschwung der Saarindustrie nach 1870 und ihrer erfolgreichen Verknüpfung mit 17 HAßLACHER {wie Anm. 5), S. 136. 18 F. Hellwig, Die Saarwirtschaft und ihre Organisationen seit der Errichtung der Industrie- und Handelskammer zu Saarbrücken 1863/64, Saarbrücken 1939, S. 44 f. - 1882 kam es zu einer erneuten Gründung, diesmal unter Führung Stumms: „Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Saarindustrie“ (a.a.O. S. 55). 19 HAßLACHER (wie Anm. 5), S. 126. 20 200 Jahre Saarbrücker Zeitung, Saarbrücken 1961. 21 Die 1863 gegründete Handelskammer Saarbrücken gab ab 1896 die Wochenschrift „Südwestdeutsche Wirtschaftszeitung“ heraus. 1903 erschienen die „Südwestdeutschen Wirtschaftsfragen“, 1904 die „Südwestdeutschen Flugschriften“. 371