Nach dem Abgang von Schmidt und Lacour übertrugen die Stumms die Leitung der Neunkircher Hütte Philipp Christian Schmidtborn (1792-1860), einem Angehöri¬ gen des bekannten Saarbrücker-St. Johanner Handelshauses, das auch in der Montanbranche, so als Schmidtborn & Co. 1808 bei den Stahl- und Hammerwerken Jägersfreude, Goffontaine und Scheidt, engagiert war39. Schon bei seiner Heirat 1817 mit der Tochter des Friedrichsthaler Glasfabrikanten Philipp Wagner als in Neunkirchen tätig ausgewiesen, tritt Schmidtborn, der vielleicht auch eine techni¬ sche Ausbildung erfahren hatte40, dann 1820 als Direktor zusammen mit zweien seiner Mitarbeiter, dem Buchhalter Friedrich Jakob Glaser und dem Magazinver¬ walter Ludwig Mügel, in Erscheinung41. Als frühliberaler Philhellene organisierte er 1822/23 in Neunkirchen und Umgebung Geldsammlungen für den Freiheits¬ kampf der Griechen42 und wird, nachdem die neue Kreisordnung von 1827 in Kraft getreten war, im Juli 1828 zum ersten Beigeordneten des Landkreises Ottweiler, später sozusagen eine Planstelle der Neunkircher Hütte, bestellt43. Noch unter seiner Direktion trifft man erstmals in Neunkirchen und an der Saar einen jener hochbezahlten englischen Spezialisten, die damals nicht nur auf den rheinischen Eisenwerken das moderne Puddelverfahren einrichteten und die nötigen Facharbeiter ausbildeten44; und zwar ließ der Walzmeister Georg Davis im Herbst 1831 nach dem Verbleib seiner 18jährigen Nichte Chini, die von einem Besuch eines bei der Remy-Hütte in Alf / Mosel angestellten Onkels noch nicht nach 39 Gayot-Herly (wie Anm. 23), S. 52 ff.; Petto (ebd.), S. 62 ff. Zur Familie vgl. F. W. EULER, Die Familie Schmidtbom, in: ZGSaarg. 19 (1971), S. 478^496, Philipp Heinrich war der ältere Bruder von Johann Carl (1794-1877), 1862-1871 Saarbrücker Bürgermeister, aus dessen Großhandelshaus Schmidtbom & Co. der Röchling-Konzern hervorging (H. KLEIN, Kurzbiographien der Bürgermeister (Alt-) Saarbrückens, St. Johanns, Malstatt-Burbachs u. der Großstadt Saarbrücken, in; ebd. S. 510-538, hier S. 518; KLEIN (wie Anm. 26) S. 128, mit weiterer Literatur). 40 Sonst wäre er wohl nicht einer der ersten Mitglieder des 1856 gegründeten Bezirksvereins Pfalz-Saarbrücken des Vereins dt. Ingenieure gewesen (vgl. Mitgliederliste in ZsVdl 1857, S. 197, 225; Peters, wie Anm. 26, S. 6). 41 Vgl. die Subskribentenliste bei J. SCHMOLL gen. Eysenwerth, Verse Quodlibet, St. Wendel 1820, die mit 320 Namen einen repräsentativen Überblick über das bildungsbeflissene Bürgertum der Bliesgegend gibt. - Friedr.Jak. Glaser, 1849 Kassierer, war ein Onkel des Friedr.Christian Glaser, Schmieds u. 1847 Gründers einer von Stumm mitfinanzierten Dampfkesselfabrik (Herrmann, wie Anm. 2, S. 208). Zu Mügel als frühem Vdl-Mitglied vgl. Anm. 25 u. 40. 42 Mainzer Ztg. v.24. Sept. 1822, StadtA Neunk. Nr. 202; vgl. dazu KLEIN (wie Anm. 22), S. 52, DERS., Ein Veteran der Demokratie (L.Rolle), in: Richtig daheim waren wir nie, Bonn 1988, S. 34. 43 Amtsblatt der Regierung zu Trier (künftig: ABI) 1828, S. 251. 44 R. Fremdling, Die Rolle ausländischer Facharbeiter bei der Einführung neuer Techniken im Deutschland des 19. Jhs„ in: ASG 24 (1984), S. 1-45; Ders., Der Puddler. Zur Sozialgeschichte eines Industriehandwerkers, in: U. Engelhardt (Hg.), Handwerk u. Industrialisierung, Stuttgart 1984, S. 637-665. 321