Steine im Westrich im Dreieck des Straßenverbunds Menhire als Achtungszeichen benutzt wurden. Merkwürdigerweise ist eine Flur „Am langen Stein“ auch am Geleit zwischen Rohrbach und St. Ingbert37. Nahe der einschlägigen Position Bruchmühlbach ragt der Elendsberg hoch mit der Elendshöhle oberhalb der Elendsklamm38 und seitlich vom Heiligenwald. Die Höhle, naturgeschaffen mit Felsüberhang im dortigen Buntsandstein, hat mannsho¬ hen, erheblich breiten Eingang, eingeschnürte Vorhöhle und einen Kuppelraum von gut 12 Metern Breite (Abb. 1, 2). In die Tiefe geht es kürzer und überrascht den Besucher hinten mit eingehauenen, ovalen, alkovenartigen Nischen, worin jeweils ein Mensch Ruhestatt und die Anlage somit vernünftige Zweckbestimmung haben konnte. Künstliche Terrasse ist vorgelagert. Ein erheblicher Schuttkegel von Sand ist eingeflossen. „Elendshöhle“ bedeutet Aufenthalt von Fremden darin. Notunterkunft für Pilger und andere Reissläufer ist vorstellbar. Der Name „Reissberg“ für den nächsten Berg in Richtung Vogelbach spricht für sich. Direkt über dem Ort heißt der höchste Punkt (392,7 m) „Die Warte“. Hier ist der Ausblick gegeben über ein gutes Stück Geleitsstrecke weit an den Sickinger Höhen entlang. Alles spricht für die Position eines Wachtturmes und Geleitobservation. Ein Flurname an der Straße bei Limbach lautet „An den Pilgern“. Eine große bronzene Figur auf dem Bürgersteig bei der Jakobskirche in Speyer stellt den aufbrechenden Pilger dar. Sein Mantel weht im Wind. Der Pilger trug gewöhnlich einen breiten Schlapphut, weiten Mantel, Trinkmuschel unterm Hut¬ band, umgehängt Beutel und Pilgerflasche - die sogenannte Gurde - und führte den Stab im Takte des Schrittes, ausholend in Speyer, ist noch frisch mit glattem Gesicht. Der zurückkehrende wird eine zinnene Muschel als Abzeichen vollzogener Pilgerschaft am Hut und am Kinn einen langen Bart tragen. Die Gurde konnte flach oder bauchig, mußte stabil und handlich sein. In exzeptioneller Abbildung erscheint sie im Gewölbe eines Unterkirchenraumes der Magdalenenkapelle in St. Wendel im nördlichen Saarland und kommt hier als Emblem auf einem Schlußstein in Stein gehauen vor (Abb. 2, 4). Das dargestellte Exemplar ist prall gebaucht, hat einen Standfuß, schmalen Hals mit kleinem Henkel und Riemen dazu. Unklar die Form des Ausgusses. Mit einer anscheinend gleichen Flasche ist die Figur eines Wendalinuspilgers auf der Reliquien-Tumba (um 1360) in dortiger Basilika gekennzeichnet (Abb. 2,5). Der Pilger - von vornehmem Stand 37 Dort verläuft heute die Kaiserstraße. Der Flurname stellte sich heraus, als nach der Fundstelle eines neolithischen Steinbeils geforscht wurde. Vor gut hundert Jahren standen noch die unter Napoleon für die Straßenbeschattung gebräuchlichen Pappeln. 38 „Im Elende“ bedeutete „in anderem Land“ und praktisch „in der Fremde“, worauf in dem Zusammenhang mit Flurnamen E. Christmann längst hingewiesen hat und zwar im Zusammenhang mit dem eilenden Baum bei Metz, von wo aus das Geleit durch den Warant under Furpach hin gein Sarbrucken biß an den Steyn, den man spricht Criemildespil ging. Der Elende Baum ist fälschlich als Galgen gedeutet worden, was Christmann richtigstellte in der Schrift: „Flurnamen zwischen Rhein und Saar“, 1965, S. 264-266. Den nächsten Schritt, nämlich den Baum als Beiwerk des Geleites und Treffpunkt und schattigen Rastplatz für Pilger und sonstige „Reisläufer“ anzusehen, tat der Verfasser nicht. Freilich verwies er auf die „Elend-Herbergen“, die es in den Städten gab. Ein Elendsberg wie in Vogelbach kommt auch nahe Spittel (L’Hopital) vor, für hier auch „Eienzberg“ geschrieben. 242