Saar und Sauer zu. Die Zugehörigkeit von Wiltingen und Kanzem zu Luxemburg wurde bestätigt. Für die Untertanen beider Seiten wurde freier Verkehr, insbeson¬ dere die Befreiung von Verkehrsabgaben und Zöllen vereinbart. Auf die Weiterfüh¬ rung des Prozesses vor dem Reichskammergericht wurde verzichtet. Für künftige Streitfälle wurde ein besonderes Schiedsverfahren vereinbart. In der Materialsamm¬ lung des Viglius erinnert ein größerer Bestand an Dokumenten, Verträgen u.a.m. zwischen Luxemburg und Kurtrier, einschließlich älterer Zollordnungen, an diese Verhandlungen9. Der Konflikt wegen Echternach hatte sich bei der Abtwahl entzündet. Dem gewählten Abt Matthias von Lutzeradt stellte die Regentin Maria ihren Kandidaten Godefrid von Aspremont entgegen. Der Hintergrund der Kontroverse war einerseits der Anspruch der Abtei, reichsunmittelbar zu sein, andererseits die Begehrlichkeit der habsburgischen Herrschaft in Luxemburg. Sie war nicht nur auf Echternach, sondern auch auf den reichen, im luxemburgischen Herrschaftsgebiet liegenden Grundbesitz der benachbarten Klöster St. Maximin, St. Matthias und Himmerod gerichtet. Auch hier hatte Viglius eine reiche Dokumentation mit alten Verträgen, Privilegien, Urkunden u. a. m. zusammengebracht10. In einem Schreiben an die Regentin vom 3. Juli 1548 betonte er, daß er wegen der Rechtsstellung der Abtei Echternach alte Register habe durchforschen lassen11. II. Viglius und die Kartographen - Die Kartensammlung Das früheste Zeugnis für die kartographischen Interessen des Viglius ist ein Brief aus seiner Zeit in Münster (1534), aus dem geschlossen werden kann, daß er schon zu dieser Zeit Karten besaß und weitere anfertigen ließ12. Während der Lehrtätig¬ keit in Ingolstadt ist er sicher mit dem Kollegen an der Universität, Peter Apian, zusammengekommen. Der Eindruck dieses höchst angesehenen Mathematikers und Kosmographen kann kaum unterschätzt werden. Viglius verwahrte in seiner Sammlung die 1528 von Apian veröffentlichte Ungarnkarte (nach Tannstetter und Lazarus), obwohl, wie er vermerkte, sie alt und beschädigt war und ihm drei neuere Karten von Ungarn in der Sammlung zur Verfügung standen13. Seiner Dokumen¬ tensammlung hat er eine Kopie des kaiserlichen Adelsdiploms für Peter Apian (1541) einverleibt14. In demselben Band findet sich ein Dokument von höchstem wissenschaftlichem Rang: Der Brief von Gerhard Mercator an Antoine Perrenot de Granveile (23. Februar 1546), der als Bischof von Arras Mercator mit Vermes¬ sungsarbeiten beauftragt hatte und weiterhin Anteil an der wissenschaftlichen Arbeit von Mercator nahm; Mercator berichtet ihm über seine Forschungen zur magnetischen Mißweisung und zur Bestimmung des Magnetpols. 9 W. Meyer (wie Anm. 6), Zuichemiana Göttingen, Bd. 19. 10 Ebenda, Bd. 15. 11 R. LA Croix und L. GROSS (wie Anm. 3), Bd. 2, S. 4-6. 12 E.H. Waterbolk, Viglius van Aytta, Sixteenth Century Map Collector, in: Imago Mundi 29, Lympne Castle, Kent, 1977, S. 45-48. 13 L. Bagrow, Old Inventories of Maps, in: Imago Mundi 5, Stockholm, 1948, S. 20. 14 W. MEYER (wie Anm. 6), Zuichemiana Göttingen, Bd. 13, fol. 127 und fol. 162. 202