weiteres Geschoß aufgestockt29. Auch die Kirche von Altheim/Saar-Pfalz-Krs. (Abb. 14 u. 15) erhält 1762-65 ein neues Schiff, vergleichbar dem von Habkirchen. Den Vorgängerbau von ca. 1360-90 brach man vorher ab, übernahm aber den bisherigen Chorturm, der nun unmotiviert schräg an eine Seite des neuen polygo¬ nalen Chorabschlusses rückte. (Beim Wiederaufbau der Kirche nach dem 2. Weltkrieg entstand der heutige Rechteckchor.) Wölbung, Sakramentshäuschen und Okulus zum Friedhof hin sowie der erhaltene Chorbogen lassen an der einstigen Funktion als Chorturm keinen Zweifel aufkommen. Der Turm des 14. Jahrhunderts hatte bereits 1499 (Inschrift) zwei Obergeschosse erhalten30. Nicht ganz geklärt ist die Funktion des Turmes als Chorturm in Wolfersheim. Auch für Böckweiler (Abb. 16) gehen die Ansichten auseinander. Hier wird der romanische Ostturm durch drei Konchen im Norden, Osten und Süden „erweitert“. Dennoch sehe ich in ihm eher einen Chorturm als einen „Vierungsturm“31. Wir sahen: die Chorturmkirche ist an sich ein Bautyp der romanischen Baukunst. Wenn auch im 14. Jahrhundert noch Chorturmkirchen errichtet werden, dann aus der Tradition des 12./13. Jahrhunderts heraus. Offensichtlich ist die Chorturmkirche für die gotische Baukunst kein zeitgemäßer Bautyp mehr. Was sind die Gründe dafür? Auch hier sind wir auf Vermutungen angewiesen. Zunächst schwindet bei Neubauten von Dorfkirchen die ursprünglich noch vom Wehrbau herrührende Schutzfunktion der Türme. Größere Gemeinden erstreben größere und repräsentati¬ vere Bauten mit im Sinne der Gotik weiteren polygonal geschlossenen Chören. Seit dem 14. Jahrhundert kommt es zu aufwendigeren Altarretabeln, seit dem 15. Jahrhundert besonders zur Ausbildung des Flügelaltares als Triptychon, oft als Wandelaltar und mit hohem filigranen Holzaufsatz, dem Gesprenge. Dafür reichten die engen und niedrigen romanisch-frühgotischen Altarräume der Chortürme nicht mehr aus. So werden nun auch an bisherige Chortürme weite gotische Chöre angefügt. Dennoch treten selbst in spätgotischer Zeit - freilich nicht im Saarland - noch vereinzelt Chorturmanlagen auf (z. B. die Stadtkirche von Balingen in Württem¬ berg von 1443 mit über dem polygonalen Chor als Achteck aufsteigendem Turm in Stadtturm-Funktion). Im 16.-18. Jahrhundert jedoch setzt der Neubau von Chorturmkirchen fast ganz aus. Höchstens wird bei Neubauten - wie wir sahen - ein alter Chorturm noch beibehalten. Dabei fällt auf, daß auch ganz frühe protestantische Kirchen-Neubau- ten noch am äußerlichen Bautyp der Chorturmkirche festhalten, den alten Chorturm vom Vorgängerbau übernehmen. Markantestes Beispiel in unserer weiteren Umge¬ bung ist die protestantische Stadtkirche in Buchsweiler (Bouxwiller), Bas-Rhin, der ehemaligen Residenz der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, die schon 1542 evange¬ lisch wurde. Die Kirche wird bereits 1614 gebaut (zum Vergleich: Wolfenbüttel, 29 W. Zimmermann (wie Anm. 20), S. 62, 64. 30 H. Lambert, Kunstgeschichtlicher Verlust. Die ehern, gotische Kirche in Altheim, in: Saarpfalz 1985 (2), S. 35-40; B.H. BONKHÖFF (wie Anm. 21), S. 43^16. 31 I. Köhler-Schommer, Die Stephanskirche in Blieskastel-Böckweiler - Rhein.Kunststätten 356, Neuss 1990. 155