einstigen Eremitenkiause sein, die ja in etwa halber Höhe des westlichen Steilufers der unteren Saar auf einem vorragenden Felssporn liegt, ln seinem Reisetagebuch von 1826 äußerte sich Schinkel begeistert über die „prächtigsten, großartigsten Felsmassen“ des Gesamtplateaus und bezeichnete die „Eremitage an diesen Felswänden“ als einen „reizenden Ort“8. Was Schinkel in Kastei vorfand, wie er die Ruine aufnahm, eigene Entwürfe gestaltete und schließlich realisierte, ist von der Forschung vorzüglich aufgearbeitet und dokumentiert worden9. Daher braucht diesen Bereichen hier keine besondere Aufmerksamkeit zu gelten, auch wäre lediglich darauf hinzuweisen, daß nach Schinkels klassizistischen Bauplänen von 1821 die evangelische Pfarrkirche in Bischmisheim bei Saarbrücken erbaut wurde, daß Schinkels Arbeiten im Rheinland u. a. in Koblenz (St. Florin - 1815) und besonders mit Burg Stolzenfels (seit 1815) vertreten sind10. Der große Baumeister kannte das Land links des Rheins, zwischen Mosel und Saar. Er baute hier wie sonst in klassizistischem Stil, aber die bereits erwähnten Aquarelle und Gemälde belegen eine fortdauernde Offenheit gegenüber stärker emotionalisierten Gestal¬ tungsbedürfnissen. Insofern war Schinkel gewiß auch der richtige Adressat für das „romantische“ Anliegen des preußischen Kronprinzen. So fügte es sich auch, daß von Schinkels Bauten die Grablege Johanns des Blinden der einzige Fall einer realisierten Bauvorstellung nach romantischem Empfinden war (Abb.l). * Läßt sich das Motivationsgefüge erfassen, das den Kronprinzen veranlaßte, sich um den toten König von Böhmen und die Klause zu kümmern? Die Gefahr, auch bei nur andeutenden Antworten in spekulative Bereiche abzugleiten, ist unverkennbar, doch läßt sich in Teilen skizzieren, welche Assoziationen nahelagen. So konnte einem Hohenzollern beispielsweise bewußt sein, daß Königsberg, die „Krönungs¬ und dritte Residenzstadt der Monarchie“11 einst vom Deutschen Orden auf Anraten eines böhmischen Königs, und zwar Ottokars II., erbaut und nach ihm benannt worden war12. Mit dessen Enkelin Elisabeth war Johann von Böhmen verheiratet. Eine Rolle mag auch die Chance gespielt haben, im linksrheinischen Gebiet behutsame Traditionspflege zugunsten der Hohenzollern zu fördern. Gerade sie hatten mit der Aufnahme des Namens Wilhelm neben dem traditionellen Friedrich die Verpflichtung gegenüber den rheinischen Landesteilen Jülich, Kleve und Mark in ihrer dynastischen Namengebungspolitik betonen und in der Doppelung Fried¬ rich-Wilhelm besonders nachdrücklich hervorheben wollen. Auf eine ähnliche, feinsinnige genealogische Traditionspflege sollten sich dann in der Kasteler Klause selbst die Anspielungen auf das Haus Luxemburg und das Haus Wittelsbach, aus dem die Gemahlin des Kronprinzen stammte, beziehen. Damit ist aber nur das Vorfeld berührt, und auf den preußischen Kronprinzen bezogen bleibt die Frage, 8 Aus Schinkels Reisetagebuch zitiert nach Werner Bornheim gen. Schilling, Klause bei Kastei (Führer der Verwaltung der staatlichen Schlösser Rheinland-Pfalz, Heft 12), Mainz 1979, S. 5. 9 S. vor allem Eva BrÜES (wie Anm. 3) mit reichen Literaturhinweisen. 10 Vgl. die Hinweise im Katalog von 1981 (wie Anm, 7), S. 355ff.; E. BrÜES, S. 197f. geht ausführlich auch auf Schinkels Gestaltung des Mettlacher Brunnens und die ihn bekrönende Statuette ein. 11 Meyers Großes Konversations-Lexikon, 1909, s. v, 12 Vgl. Jörg K. HOENSCH, Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König, Graz/Wien/Köln 1989. S. 76f. 87