Reinhard Schneider DIE KÖNIGSGRABLEGE BEI KASTEL AN DER SAAR Als der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm im Jahre 1833 die Rheinlande besuchte, führte ihn ein Abstecher nach Mettlach, wo er am 11. November Gast bei J. F. Boch-Buschmann war1. Im Verlauf des Abends soll der Gastgeber seine Freude darüber geäußert haben, daß er „zwei Majestäten unter seinem Dach beherberge“. Die Überraschung des Kronprinzen dürfte groß gewesen sein, als Boch ihm eine Truhe mit den Gebeinen König Johanns von Böhmen zeigte und erklärte, wie er dazu gekommen war: Der am 7. September 1346 in der Altmünster-Abtei in Luxemburg beigesetzte, 1542 in das Neumiinster-Kloster, ebenfalls in Luxemburg, umgebettete Böhmenkönig aus luxemburgischem Hause war während der Französischen Revolution von einem getreuen Monarchisten aus dem Sarkophag vor dessen Plünderung gerettet worden und auf nicht ganz übersichtlichen Wegen schließlich in die erwähnte Truhe zu dem Mettlacher Fabrikanten Boch gelangt. Der leicht zu begeisternde Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.), den man als König (seit 1840) den „Romantiker auf dem Thron“ nennen sollte, hatte - wohl am Tage zuvor - auf seiner Reise von Trier nach Mettlach die Eremitenklause von Kastei an der Saar besichtigt und war trotz ihres recht verkommenen Erhaltungszustandes von diesem Platz über dem Fluß mit weitem Blick über das Land fasziniert gewesen. Manches spricht dafür, daß den Einheimi¬ schen des Gastes Begeisterung nicht verborgen blieb und daß die Gemeinde Kastei offenbar recht spontan daran dachte, dem Kronprinzen die Klause als Geschenk zu offerieren. Jedenfalls hat Friedrich Wilhelm noch am 10. November 1833 den „Comunalbaumeister“ Simonis in Trier beauftragt, die „Ruine aufzunehmen, Plan für ein neues Dach und eine Ansicht der Umgebung zu zeichnen“. Eine solche Anweisung setzt freilich noch nicht den Besitz der Einsiedelei voraus, weil sie durchaus mit landesherrlicher Fürsorge zu erklären ist. Immerhin hatte der Kronprinz, den man noch unlängst (neben Schinkel) als „eines der stärksten baukünstlerischen Talente im Preußen der Zeit nach 1815“ gewürdigt hat2, die 1 Die häufig beschriebenen Ereignisse sind am besten zugänglich in der Darstellung von Eva Brües, Die Rheinlande. Unter Verwendung des von Ehler W. Grashoff gesammelten Materials (Karl Friedrich Schinkel. Lebenswerk, hrsg. Margarete Kühn), Berlin 1968, Kapitel Denkmäler, S. 181-200. 2 Gerd Heinrich, Geschichte Preußens. Staat und Dynastie (Ullstein Sachbuch), Frankfurt/M. etc. 1984, S. 347, ebd. auch das nachfolgende Zitat. Vgl. allgemein Ludwig Dehio, Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Ein Baukünstler der Romantik, München-Berlin 1961. 85