fünf eindeutig falsch identifiziert15. Bei der für die Gründungsgeschichte des Priorats Salonnes so aufschlußreichen Schenkungsurkunde Karls des Großen von 775 werden sogar alle sechs genannten Ortsnamen falsch identifiziert16. II. Zum Zwecke der besseren Übersicht seien zunächst die Seillegau-Ortsnamen des Fulrad-Testaments (in allen drei Fassungen) zusammen mit den Ortsnamen der Königsurkunde von 775 und weiteren frühen Erwähnungen der fraglichen Orte in Salonnes oder St. Denis betreffenden Urkunden tabellarisch gegenübergestellt: Während sich ein Schreibfehler wie Adartereca C angesichts der Form Adarmareia A nur auf eine gemeinsame Vorlage *Adarma(e)reca zurückführen läßt, lassen sich die starken Abweichungen der Namen in Fassung B nur durch eine eigene Redaktion erklären, welche auf der Basis einer völlig anderen Namenliste, die den Seillegau-Besitz Fulrads erfaßte, arbeitete. Diese Namenliste umfaßte z.B. deutsche Doppelformen romanischer Siedlungsnamen auf -ingas, und romanische Doppel¬ formen auf -curte für Orte, die in AC als Grundwort -villa bzw. -villare haben, zeigte aber auch zahlreiche lautliche Abweichungen. Nun zur Diskussion einzelner Identifizierungsvorschläge für die in Tabelle 1 genannten Orte: 1. Tomugo (Turnugo B) uillare a. 777 Or. ist im ersten Bestandteil von Max Pfister und Monika Buchmüller-Pfaff als galloromanischer -ac«m-Name (zum PN Turnus) interpre¬ tiert worden, wobei eine paläographisch keineswegs unwahrscheinliche Verlesung (wie bei Nr. 5 Uuamugo < -ago) aus *Tornago angenommen werden muß17. Die Schreibung <g> statt <c> spiegelt die romanische Sonorisierung von [k]; die Senkung von [u] > [o] ist ein zweiter Reflex romanischer Sprachentwicklung. Die Identifizierung mit Dorsweiler / Torcheville (Moselle, Ct. Albestroff) ist zunächst besitzgeschichtlich begründet: der Besitz von St. Denis in Lothringen, darunter auch Salonnes mit Zubehör, gelangte über die Eigenkirchenherren der Abtei, die Kapetinger, an die Grafen von Bar und von diesen zum Teil an die Grafen von Bar-Mömpelgard 15 TANGL (wie Anm. 1), S. 208; FLECKENSTEIN (wie Anm. 7) S. 10; Parisse (wie Anm. 7), S. 237; ChLA XVI, S. 25 [Réméréville, Hangviller, Virming, Filstroff, Craincourt]. 16 H. MENKE, Das Namengut der karolingischen Urkunden, Heidelberg 1980, S. 276 [Uuarningas = Wirmingen]; 208 [Filicione curte = Filsdorf]; 206 [Ermeraga villa = Réméréville]; 186 [Alningas = Insmingen? bei Château-Salins / Elsaß: gemeint ist Insming, Dép. Moselle, Ct. Albestroff, das keineswegs im Elsaß liegt]; besonders abwegig bei einer Gauangabe in pago Saloninse (Seillegau) S. 199 [Buxito = Bussy-en-Othe, Dép. Yonne] und S. 229 [Carisiago = die Pfalz Quierzy, Dép. Aisne], Die Fehlidentifizierungen, die ChLA XVI, Nr. 620, S. 9 teilweise übernehmen, resultieren vorwiegend aus der Nichtberücksichtigung der regionalen und speziellen Literatur zu Salonnes. 17 M. Pfister, Galloromanische Relikte in der Toponomastik Ostlothringens und des Saariandes, in: W. Haubrichs / H. Ramge (Hgg.), Zwischen den Sprachen. Siedlungs- unf Flurnamen in germanisch¬ romanischen Grenzgebieten, Saarbrücken 1983, S. 138; M. BuchmüLLER-pfaff, Siedlungsnamen zwischen Spätantike und frühem Mittelalter. Die -(i)acum-Namen der römischen Provinz Belgica Prima, Tübingen 1990, Nr. 775. Vgl. auch H. HIEGEL/Ch. Hiegel, Dictionnaire étymologique des noms de lieux du département de la Moselle, Sarreguemines 1986, S. 337f. 4