serung bezeichnete.38 Er setzte zwar in Anbetracht kaiserlicher Ungeduld durch, daß die Lage des Personenbahnhofs akzeptiert wurde,39 arbeitete aber selbst eine Variante aus, die eine Teilerhaltung des Hafens ermöglichen sollte. Die Generaldirek¬ tion der Reichseisenbahn in Straßburg war jedoch zu einem Dialog nicht (mehr?) be¬ reit.40 Die Ungeduld des Kaisers gegenüber den Metzern erlaubte auch ihr, das er¬ zwungene Entgegenkommen aufzugeben. Die ablehnende Haltung der Reichsbehörden mobilisierte den Widerstand des Ge¬ meinderats. Der Gemeinderat, nicht der Bürgermeister, übermittelte der Bahnverwal¬ tung den Standpunkt der Metzer Bevölkerung, die nach wie vor kein Interesse an der Verlegung des Bahnhofs hatte und auch nicht bereit war, die Bahnumbauten in ir¬ gendeiner Weise zu unterstützen.41 Der Gemeinderat bezog damit verständlicherwei¬ se die Position seiner Wähler, mit denen er in diesen Monaten eine seltene Überein¬ stimmung erlebte. Die lebhaften Debatten zeigen, wie sehr einige Gemeinderatsmit¬ glieder dadurch zum Engagement motiviert wurden. Schwieriger war die Situation des Bürgermeisters, der juristisch zugleich Repräsentant der kommunalen Interessen und Exekutivorgan der ranghöheren Behörde war und in seiner täglichen Arbeit vor Ort nicht ohne Unterstützung des Gemeinderats arbeiten wollte. Ihm mußte an einer Ver¬ mittlung der Standpunkte gelegen sein. Nachdem sich Mitte Juni 1899 an der Frage der Hafenaufhebung die Fronten zwi¬ schen Reichseisenbahnverwaltung und Gemeinderat offen verhärtet hatten, suchten die städtischen Behörden hinter den Kulissen, fernab der politisierten Öffentlichkeit, neue Wege der Verständigung. Den Einstieg in eine neue Verhandlungsrunde bot et¬ wa einen Monat später eine Besprechung, an der neben den bisherigen Partnern auch Bezirkspräsident v. Hammerstein und Vertreter der Bahnbehörde aus Berlin teilnah- men.42 Im Mittelpunkt stand dabei die Hafenfrage. Während die Stadt für eine Ver¬ legung in den Norden plädierte, beharrten die Eisenbahnbehörden auf einer Hafenan¬ lage in Montigny im Süden von Metz. Das war ein schwerer Schlag für die Stadt, denn dieses Konzept gefährdete den Ausbau des gesamten Gebiets zu einem Villenviertel und fügte somit "den wichtigsten Interessenten der künftigen Stadterweiterung ganz bedeutenden Schaden"43zu. Ein Interessenausgleich schien unmöglich, und auch wei¬ tere Gespräche in den folgenden Monaten erbrachten keine Annäherung der gegen¬ sätzlichen Standpunkte. Im Laufe des Herbstes 1899 formulierte sich der Widerstand der Metzer Bevölkerung deutlicher. Auf einer Bürgerversammlung Mitte Dezember trafen sich diesmal vor al- 38 Gemeinderatssitzung v. 27. April 1899, Protokoll S. 178. 39 Gemeinderatssitzung v. 16. Mai 1899, Protokoll S. 205. 40 Schreiben der Generaldirektion v. 14. Juni 1899, verlesen im Gemeinderat am 23. Juni 1899, Protokoll S. 286. 41 Gemeinderatssitzungen v. 23. Juni 1899, S. 269 u. 6. Febr. 1900. 42 Brief Kramers an Statthalter Hohenlohe v. 30. Juli 1899 in: ADM, 10 AL 1013. 43 Ebd. 167