sident von Zeppelin-Aschhausen demissionierte, und nun besetzten streng national ge¬ sinnte deutsche Beamte führende Stellungen in der deutschen Verwaltung.130 Man glaubte, nur durch immer strengere und schärfere Restriktionen der öffentlichen profranzösischen Nationalbekundungen Herr werden zu können. Im April 1911 wurde "La Lorraine Sportive" verboten, Ende desselben Jahres ihre Nachfolgeorganisation "Jeunesse Sportive".131 Trotz der Gefahr eines möglichen Verbotes und um dem Vorwurf zu entgehen, eine von Paris gelenkte Organisation zu sein, wurde im Februar 1912 der "Souvenir Alsacien-Lorrain" als eine legale, unabhängige und eigenständige Sektion des "Souvenir Français" gegründet. Aber auf Grund der sich immer mehr ver¬ härtenden politischen Fronten wurde auch er am 23. Januar 1913 verboten.132 Noch im gleichen Jahr ertönte bei der Gedenkfeier in Noisseville der französische Fahnenappell, für die deutsche Seite ein unerhörter Affront.133 Fast lautlos verhall- lte dieser letzte Appell, denn mit den strengen Verboten schien die frankophone Be¬ völkerung ihren kämpferischen Geist verloren zu haben und wieder in die alte Si¬ tuation der Abkapselung, der Emigration nach innen, zu flüchten. Die Sonderstellung des Militärs im Deutschen Reich wurde kurz darauf in der Krisen¬ situation der "Zabem-Affäre" besonders deutlich, als infolge der kaiserlichen Ent¬ scheidung zugunsten des Militärs Vertreter der zivilen Verwaltung des Reichslandes, darunter auch der Statthalter Graf von Wedel, Ende Januar 1914 ihren Rücktritt ein¬ reichten.134 Mit der Proklamation des Kriegsgefahrzustandes am 31. Juli 1914 wurde die Germanisierung mit allen Mitteln vorangetrieben, die dieser Form der Annähe¬ rung ein Ende setzte. Bilanz Die Kriegerdenkmäler um Metz spiegeln in ihrer Rezeptionsgeschichte die besondere lokale Grenzraumsituation wider. Sie übernahmen hinsichtlich der deutsch-französi¬ schen Beziehungen und des Verhältnisses der alteingesessenen, frankophonen Bevöl¬ kerung zu den eingewanderten Altdeutschen besondere Funktionen. In den Einwei- hungs- und Erinnerungsreden diesseits und jenseits der neuen Grenze kamen die ent¬ gegengesetzten "mémoires collectives" in einem stilistisch sehr ähnlichen, redundanten Symbolrepertoire zum Ausdruck. Reichsgründungsmythos und Revanche übernahmen in Verbindung mit den Kriegerdenkmälern integrative und identitätsstiftende Funk¬ tionen für die jeweilige nationale Gruppe. Nationale Überzeugung und Vaterlands¬ 130 Roth (Anm. 84), S. 65f. 131 Ebd., S. 63ff. 132 Ebd., S. 66ff. Roth betont, daß der "Souvenir Français" auf die frankophonen Gebiete begrenzt war und als Wiederaufleben des "esprit protestataire" zu interpretieren sei, der vor allem die Erinnerungskomponente betonte. Noissevüle wurde zum Beleg dafür, daß die Germanisierung unter der jüngeren Generation nicht den erwünschten Erziehungserfolg hatte. 133 Roth (Anm. 84), S. 67. 134 Roth (Anm. 9), S. 589. 117