Männergesangsvereins erhielt die Feier einen betont ernsten Feldgottesdienstcharak¬ ter (Abb. 3). Im Anschluß gab es bei Erfrischungen in der Schlucht ein Militärplatz¬ konzert, das mit dem großen Zapfenstreich beendet wurde. Nach dieser gelungenen Generalprobe fand die Idee, in einer Dachorganisation aller Vereine und Verbände des öffentlichen Lebens in Metz in patriotisch-verbindender Weise gemeinsam der Toten zu gedenken, ihre Verwirklichung in der Konstituierung der "Vereinigung” am 20. Mai 1890. Statutenmäßig wurden als Hauptaufgabe die Gestaltung der nationalen Gedenkfeier am 15. August jeden Jahres in Gravelotte festgelegt, ferner Unterhalt und Schmückung der Kriegergräber und Denkmäler, Sammlung von Erinnerungen an die Kämpfe um Metz und Veröffentlichung eines jährlichen Rechenschaftsberichtes, der an alle Interessenten verschickt wurde.64 Bezeichnend für die "Vereinigung" war, daß sie die wichtigsten zivilen und militärischen Vereine des deutschen gesellschaftli¬ chen Lebens in Metz umfaßte. Im Gründungsjahr zählte die "Vereinigung" 20 Ver¬ eine, im Jahre 1900 51 und 1912 98 Vereine als stimmberechtigte ordentliche Mit¬ glieder, die sich in verbindendem Patriotismus in Zusammenarbeit mit den Metzer Bürgern, der Landesverwaltung und dem Generalgouvernement der Festung immer aktiver zeigten.65 Nach Auseinandersetzungen um finanzielle Fragen mit dem Kyff- häuserbund und dem 1890 gegründeten Elsaß-Lothringischen Kriegerlandesverband konnte die "Vereinigung" ihre Eigenständigkeit gegenüber dem Kriegervereinswesen behaupten,66 und sie erreichte 1907 die vertragliche Festschreibung ihres Einflußge¬ bietes. Demnach wurde der Wirkungskreis der "Vereinigung" auf die ehemaligen Kriegsschauplätze in der Umgebung von Metz bis nach Spichern beschränkt, für die übrigen Gebiete des Reichslandes war der Landesverband zuständig.67 Schon bei der ersten Feier 1890, nachdem die "Vereinigung" die Organisation der Jahresgedenkfeier übernommen hatte, wurden über 4 000 Besucher gezählt.68 Ende 64 ADM, 12 AL 199. Jahresberichte der "Vereinigung", jeweils mit Abdruck der Satzungen, u. Metzer Zeitung v. 11. Aug. 1900 mit der Angabe, daß der Jahresbericht allein an 6000 Kriegervereine verschickt wurde. Der Interpretation von Meinhold Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Bd. 2: Einigungskriege, Heidelberg 1985, S. 141f., daß es sich bei der "Ver¬ einigung" um eine Selbsthüfeorganisation handelte, die entstanden sei, weil von französischer Seite nur das Notwendigste zum Gräberunterhalt getan wurde, muß entschieden widerspro¬ chen werden. 65 ADM, 12 AL 199. Auszählung der Mitgliederverzeichnisse und Angaben in der Metzer Zeitung v. 11. Aug. 1900. 66 ADM, 12 AL 257. Brief des Elss.-Loth. Kriegerlandesverbands an die "Vereinigung" v. 19. Nov. 1904 mit einem Vorschlag zur Eingliederung in das Kriegervereinswesen, da Beiträge der Kriegervereine als Mitglieder der "Vereinigung" dem Landesverband verloren gingen, ADM, 12 AL 199. Jahresbericht der "Vereinigung" für 1905, S. 3ff: Ab 1906 wurden die Beiträge der betroffenen Kriegervereine direkt an den Kyffhäuserbund bezahlt. 67 ADM, 12 AL 199. Jahresbericht der "Vereinigung" für 1906 (Geschäftsjahr 1. April 1906-31. März 1907), S. 19ff. 68 ADM, 12 AL 199. Jahresbericht der "Vereinigung" für 1890, S. 43 u. Metzer Zeitung v. 17. Aug. 1893; wiederholt wurden die Besucher als Vertreter aller Berufsklassen bezeichnet. 102