Zum Schluß sei auf den provisorischen Charakter dieses Werkstattberichts hingewie¬ sen. Zukünftige Überlegungen werden auf jeden Fall die Ergebnisse ähnlicher Unter¬ suchungen im Ausland einbeziehen müssen. Dabei wird man nicht einfach Ergebnisse von Mittel- und Großstädten zum Vergleich heranziehen können.34 Zu dem Zeit¬ punkt der Erhebung der Luxemburger Wohnungsstatistik hatte die Stadt Berlin, in der z.B. 1861 eine Volkszählung mit ähnlichen Fragen zur Wohnsituation stattfand, bereits die Zweimillionengrenze überschritten. Das "Statistische Jahrbuch deutscher Städte", Ausgabe 1912, untersuchte z.B. 79 Städte, die jedoch alle mehr als 50 000 Einwohner hatten. Vergleichsmaterial ist am ehesten dort zu suchen, wo eine ähnliche Entwicklung von der Dorf- zur Industriesiedlung stattgefunden hat, mit Beibehaltung des ländlichen Umfeldes, mit dem Festhalten an dörflichen Gewohnheiten wie (Klein)tierhaltung, mit dem Ausbleiben großer kultureller Leistungen etc. Ich bin bis jetzt bei meinen Nachforschungen nicht auf ähnlich strukturiertes, ausführliches, vergleichbares Daten¬ material aus anderen Industriesiedlungen desselben Typs wie Düdelingen gestoßen. Es liegen, wie schon angedeutet, genügend Studien über größere Städte vor, es wird auch gelegentlich in den Untersuchungen der Luxemburger Kommission darauf hingewiesen;35 zu Vergleichszwecken können diese Daten aber nicht herangezogen werden. Was die Nachbargebiete Luxemburgs betrifft, so gibt es z.B. in Metz für denselben Zeitraum eine Untersuchung mit ähnlichen Fragestellungen (z.B. Räume pro Woh¬ nung, Übervölkerung, Berechnung des Luftraumes, Schlafburschen/Untermieter, Personen pro Bett, Aborte) und ähnlichen Ergebnissen (etwa starke Übervölkerung, katastrophale Situation der Aborte, Mietwucher). Sie beruht jedoch, im Unterschied zur Luxemburger Untersuchung, nur auf einer Stichprobe von 70 Häusern mit 427 Wohnungen und 1626 Menschen.36 Es kann also noch keine Antwort auf die Frage geben, "ob die in den Städten zu be¬ obachtenden zentralen Entwicklungen generellen, das heißt universellen Charakter haben, ob sie spezifisch nationale Züge tragen oder ob sie sinnvoll nur im Rahmen der einzelnen Stadt zu behandeln sind".37 Zu den Möglichkeiten, Vergleiche anzu¬ stellen, scheint es schließlich interessant, die Argumente der Kommission selbst wie¬ 34 S. etwa für Wien Peter Feldbauer, Stadtwachstum und Wohnungsnot. Determinanten unzu¬ reichender Wohnversorgung in Wien 1848 bis 1914, Wien 1977 sowie die schon erwähnten Arbeiten von John und Ehmer (Anm. 28 u. 30); s. auch Franz J. Brüggemeier u. Lutz Niet¬ hammer, Schlafgänger, Schnapskasinos und schwerindustrielle Kolonie. Aspekte der Arbeiter¬ wohnungsfrage im Ruhrgebiet vor dem Ersten Weltkrieg, in: Fabrik, Familie, Feierabend. Beiträge zur Sozialgeschichte des Alltags im Industriezeitalter, hrsg. v. Jürgen Reulecke u. Wolfhard Weber, Wuppertal 1978, S. 135-175. 35 So etwa auf die Arbeit von J. Bertillon über Paris. 36 Bruno Weil (Hrsg.), Die Wohnverhältnisse in der Stadt Metz. Im Auftrag der Wohnungs¬ kommission, Straßburg 1906. 37 Christian Engeli u. Horst Matzerath (Hrsg.), Moderne Stadtgeschichtsforschung in Europa, USA und Japan. Ein Handbuch, Stuttgart u.a. 1989, S. 9. 56