Gérard Michaux* Die tridentinische Reform in der Diözese Metz 1563 endete das Konzil von Trient. Sehr bald schon fand sich der lothringische Raum mitten in das Herz der Verteidigung und Wiedergewinnung des katholischen Glau¬ bens, wie es vom Heiligen Stuhl gewünscht wurde, gesetzt. Die Diözese Metz, an der „Grenze des Katholizismus“ gelegen, befand sich in einer besonderen Situation, die eine schnelle katholische Reform verlangte, aber schwierig zu bewerkstelligen war. Sie befand sich in dreifacher Hinsicht in einer schwierigen Situation: - Sie war in zwei Sprachbereiche geteilt. - Sie unterstand verschiedenen Landesherrschaften, 45 % gehörten zum Herzogtum Lothringen, 35 % standen unter der Schutzherrschaft des französischen Königs seit 1552, 20 % gehörten Reichsfürsten. - Drei Bekenntnisse bestanden nebeneinander, das katholische, das protestantische und das jüdische. ln der Verteilung der Protestanten zeigen sich zwei Schwerpunkte: In Metz machten sie seit 1565/70 die Hälfte der Bevölkerung aus und bildeten ein aktives Element in der Stadt. In den östlichen und nordöstlichen Teilen der Diözese hatten sie zwischen 1544 und 1607 den Katholiken mehr als 100 Pfarreien entzogen, Diese protestantische Aktivität verlangte kräftige Anstrengungen seitens der katholi¬ schen Kirche. Im Vergleich mit den Diözesen Verdun und Toul wurde in Metz das tridentinische Reformwerk verspätet in Angriff genommen, und dann auch nicht ein¬ heitlich in der ganzen Diözese, sondern in Abhängigkeit von der unterschiedlichen Haltung der einzelnen Landesherren und von dem jeweiligen Gewicht protestanti¬ scher Gemeinden. 1. Langsame und schwierige Anfänge (ca. 1570 - ca. 1620) In Metz läuft die Reform verspätet an, einmal wegen der Abwesenheit des Bischofs, aber vor allem aus politischen Motiven. Das französische Königtum arbeitet, um seine Stellung in der Stadt zu stärken, mit den Hugenotten zusammen. Die Herzoge von Lothringen dagegen, eifrige Anhänger des katholischen Glaubens seit 1523, * Deutsche Zusammenfassung des in französischer Sprache gehaltenen Referates. 207