Straßburg, Martin Butzers Gehilfen und geistigem Erbe. Die Briefe Thomaes haben sich in Straßburg erhalten und sind im wesentlichen ausgewertet worden27. Sie enthal¬ ten viel kirchliches Detail für den südlichen Landesteil im Amt Neukastel. Zugleich bieten sie eine Reihe von sicheren Datierungsanhaltspunkten für einige undatierte oder falsch datierte Texte aus dem Schwebelnachlaß. Es gibt aber noch einen weiteren Quellenbestand zur zweibrückischen Reformations¬ geschichte, der stets übersehen worden ist, weil er auswärts lagerte. Im Archiv des St.-Thomas-Kapitels von Straßburg, heute im Stadtarchiv von Straßburg deponiert, befindet sich in einem Sammelband „Varia ecclesiastica. Band II“ in Kopien eines gewissen Johannes Gossenberg vom 13. April 1551 eine kleine Sammlung von zwei¬ brückischen Papieren zum Jahre 15392x, die uns in zweibrückischer Archivüberliefe¬ rung so nicht mehr erhalten sind. In den Werken Schwebels erscheinen sie mit Kür¬ zungen und ohne die amtlichen Beilagen aus der herzoglichen Kanzlei. Diese Papiere erlauben es uns, einen gewissen Abschluß der landesherrlichen Reformation in Pfalz- Zweibrücken auf das Jahr 1539 zu datieren und dies in seiner Eigenart näher zu cha¬ rakterisieren. Wir skizzieren die landeskirchengeschichtliche Entwicklung in Pfalz-Zweibrücken von den Anfängen der Reformation bis hin zur gesetzmäßigen landesherrlichen Durchsetzung in ihren drei wesentlichen Phasen. 1. Ansatz und Ausbreitung der Reformation in der Zeit landesherrlichen Gewährenlassens, 1523-1532. Als Luthers Sache eine öffentliche Angelegenheit wurde, in den Jahren 1519 und 1520, besaß Zweibrücken einen noch minderjährigen Landesherren. Pfalzgraf Lud¬ wig II. war 1502 geboren, erst im Herbst 1520 hat er mit 18 Jahren die Volljährigkeit erlangt. Zur Regierung gekommen war er nominell bereits 1514, nach dem Tode sei¬ nes Vaters Alexander. Aber er stand zunächst unter der Vormundschaft seiner Mut¬ ter und ihr zugeordneter Räte29. Daß Ludwig 1521 von Luther in Worms beeindruckt worden sei, ist eine schöne, aber unverbürgte Legende. Sie ist aus der Anwesenheit des Pfalzgrafen beim Reichstag, wie sie der Abschied vermeldet, bloß erschlossen. Vielmehr ist der junge Herzog nach dem Reichstag mit Kaiser Karl V. in den franzö¬ sischen Krieg gezogen’". 21 Jean Adam, Inventaire des archives du Chapitre de St. Thomas de Strasbourg, Strasbourg 1937, S. 235-236. S. 66 verzeichnet noch eine Korrespondenz mit Butzer. - Johann Peter G e 1 b e r t, Magister Johann Baders Leben und Schriften. Nicolaus Thomae und seine Briefe, Neustadt a.d.H. 1868. 28 Adam, Inventaire, S. 263: Nr. 167 (Nr. 5), fol. 198-217. 29 Johann Georg Lehmann, Vollständige Geschichte des Herzogtums Zweibrücken und sei¬ ner Fürsten, München 1867, S. 259. Ein letzter Akt der vormundschaftlichen Regierung ist die Versorgung der jüngeren Brüder Ludwigs vom April 1520, ebd., S. 266-267. 30 Lehmann (wie Anm. 29), S. 269. 195