den erstrangig zuständigen Speyer und Zweibrücken habe ich an spezifisch kirchli¬ chen Akten nichts Wesentliches aus der Zeit vor 1533 gefunden. Das ist aber präzis der Zeitpunkt des Beginns reformatorischer Kirchenpolitik der Landesherrschaft. Weiter zurück in die Frühzeit der Reformation in Pfalz-Zweibrücken reichen an erhaltenen reicheren Quellenbeständen nur zwei. Das eine sind die am Ende des Reformationsjahrhunderts, in den Jahren 1597-1598 in vier Teilen, lateinisch und deutsch gedruckten Schriften und Briefe Johann Schwebels21. Das ist der erste Wort¬ führer der Reformation in Zweibrücken seit 1523. Und er ist von 1533 bis zu seinem Tode 1540 auch der eigentliche Leiter der entstehenden evangelischen Landeskirche geworden22. Dies Quellencorpus bietet jedoch eigene Probleme, die aus der späteren konfessio¬ nellen Entwicklung Zweibrückens resultieren. Die Reformation in Zweibrücken ist im Anfang, wie unten zu zeigen sein wird, dem straßburgisch-oberdeutschen Typus verpflichtet gewesen. Dies machte unter Herzog Wolfgang23 seit 1560 einer betont lutherischen Linie Platz. Unter dessen Sohn Johann I. vollzog Zweibrücken 1588 den Übergang zum reformierten Bekenntnis24. Manche Texte Schwebels waren in den handschriftlichen Vorlagen undatiert. Der Herausgeber, Schwebels Sohn Heinrich, in der reformierten Zeit zweibrückischer Kanzler, wußte sich einer reformierten Dok¬ trin des späten 16. Jahrhunderts vom zeitlichen Vorrang der reformierten Reformati¬ on Zwinglis gegenüber der lutherischen verpflichtet und konjizierte deswegen häufi¬ ger Frühdatierungen bei Schriften und Briefen seines Vaters. Dieser auch noch durch das gesamte 19. Jahrhundert andauernde Frühansatz der Reformation in Zwei¬ brücken ist am Beginn unseres Jahrhunderts erst von Alfred Neubauer25 korrigiert worden. In einigen Texten seines Vaters Johann Schwebel hatte sein Sohn Heinrich, aus späterem reformierten Blickwinkel, auch noch ihm unpassend erscheinende Par¬ tien ausgelassen. Ein zweiter Quellenbestand zur frühen Reformationsgeschichte Zweibrückens ist eine regelmäßige Korrespondenz des Bergzaberner Schulmeisters und späteren Pfar¬ rers Nikolaus Thomae von Siegelsbach26 mit seinem Freunde Konrad Hubert in 21 Detaillierter bibliographischer Bericht bei Fritz Jung, Johannes Schwebel, der Reformator von Zweibrücken, Kaiserslautern 1910, S. X-XII. 22 Neben Jungs Monographie der Artikel von Julius Ney, Schwebel, Johannes, in: Realen¬ zyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 18 (1906), S. 10-17. - Lebensdaten bei Georg B i u n d o, Die evangelischen Geistlichen der Pfalz seit der Reforma¬ tion, Neustadt/Aisch 1968, S. 428-429, Nr. 4987. 23 Karl Menzel, Wolfgang von Zweibrücken, Pfalzgraf bei Rhein, München 1893. - Julius Ney, Pfalzgraf Wolfgang, Herzog von Zweibrücken und Neuburg, Leipzig 1912 (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte 106/107). 24 Werner-Ulrich Deetgen, Das Ende der Entente cordiale zwischen den Bruderkirchen und Bruderdynastien Pfalz-Zweibrücken-Württemberg und Pfalz-Neuburg. Deutungsversuche und Dokumente zur Vorgeschichte des zweibrückischen Konfessionswechsels (1575-1580), in: Bll. f. Württemberg. Kirchengesch. 82 (1982), S. 38-217. 25 Alfred Neubauer, Kritische Bemerkungen zu einzelnen Daten aus der Reformationsge¬ schichte des Herzogtums Zweibrücken, in: Korrespondenzblatt. Organ der Pfälzischen Evang. Konferenz 1 (1902), S. 81-83. 26 Die biographischen Daten bei Biundo (wie Anm. 22), S. 466 Nr. 5434. - G. Biundo, in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aull., Bd. VI, Tübingen 1962, S. 855. 194