Die Ausstattung von Dignitären des Metzer Domkapitels mit Pfründen der Stiftskir¬ chen der Titelorte der drei Archidiakonate Vic, Marsal und Saarburg konnte ich da¬ gegen bisher nicht feststellen. Dem entspricht, daß die Kollegiatstifte in den Titel¬ orten jünger sind als die Amtsbereiche der Archidiakone. Seit 1090 begegnen vier Archidiakone im Metzer Bistum95. Stiftskirchen in den Titelorten der Archidiakonate entstanden erst in dem Zeitraum zwischen ca. 1160 und 1256. Die Archidiakone residierten nicht in den Titelorten ihrer Amtsbezirke, sondern in der Stadt Metz. Eine Anregung des Bischofs von Metz, sie sollten ihre curia nach Vic verlegen, wird in der Beschwerdeschrift des Domkapitels von 1308 ausdrücklich geta¬ delt96. In den Titelorten saßen im Spätmittelalter die in jedem Archidiakonat entstan¬ denen Offizialate. Prosopographische Untersuchungen könnten klären, inwieweit das geistliche Personal der Offizialate mit Pfründen der dortigen Stifte ausgestattet war. Der Zeitpunkt der Gründung des Stiftes St. Stephan in Vic ist nicht bekannt, er darf in den frühen 1160er Jahren angesetzt werden. Eine Stephanuskapelle wird in einer undatierten Urkunde des Trierer Erzbischofs Hillin, deren Ausstellung zwischen 1158 und 1162 anzusetzen ist, erwähnt97. 1 166 erscheint dann ein Willermus canonicus sancti Stephani de Vico9S, Bischof Bertram von Metz bestätigte die Gründung des Kol- legiatstiftes, leider trägt die Urkunde kein Ausstellungsdatum und läßt sich nur in seine Amtszeit 1180 - 1212 datieren99. Der Bau einer Kirche neben der älteren am Ort vorhandenen, dem hl. Marianus geweihten Kirche100 zog sich bis ins 13. Jahrhun¬ dert hin. Im Jahre 1239 bat Bischof Jakob von Metz alle Gläubigen seiner Diözese, durch Almosen die Fertigstellung der Kirche St. Stephan in Vic zu ermöglichen"11. Die Gründung des Stiftes Marsal liegt einige Jahrzehnte später. In den Jahren 1183 und 1195 wird mehrfach ein Johannes pastor ecclesie de Marsal'02 als Zeuge genannt. Ich bin geneigt, daraus zu schließen, daß zu diesem Zeitpunkt ein Stiftskapitel noch nicht bestand, weil doch sonst eher einer der Dignitäre zur Bezeugung von Rechtsge¬ schäften herangezogen worden wäre als der Ortspfarrer. Im Jahre 1222 erfolgte dann unter tatkräftiger Mithilfe der Äbtissin von Neumünster die Dotierung des neuen Stiftes, dem auch die Pfarrkirche St. Leodegar überlassen wird unter einer ähnlichen 95 Vgl. den Beitrag von Franz S t a a b in diesem Band. 96 Histoire de Metz par les Bénédictins, preuves Bd. 3 S. 292, weitere Belege für den Sitz in Metz bei Dorvaux (wie Anm. 9) S. XII Änm. 3 zum Jahr 1364 und 1434. 97 A. d’Herbomez, Cartulaire de l’abbaye de Gorze, Paris 1898 S. 301 f. Nr. 172 (-Mettensia H). 98 Michel Parisse, La carrière ecclésiastique de Hugues de Bar, in: Annuaire de la Soc. d'hist. et d’archéol. de Lorraine 78,1964 S. 95 Nr. 2. 99 1180-1212, Bischof Bertram bestätigt Kollegiatstift St. Stephan zu Vie AD M-et-M G 868. 100 J. Barthélémy, Le tympan de Vic-sur-Seille, in: Annuaire de la Soc. d’hist. et d’archéol. de Lorraine 73,1959, S. 37-43. 101 Monique Arveiler-Ferry, Catalogue des actes de Jacques de Lorraine, évêque de Metz, (1239-1260), Metz 1957 Nr. 80. 102 Vgl. verschiedene Erwähnungen bei Michel Parisse, Complément au catalogue des actes de Bertram évêque de Metz (1180-1212), in: Annuaire de la Soc. d’hist. et d’arch. de Lorraine 77,1963, S. 40-46 Nr. 6, 7, 22,25 aus den Jahren 1183-1195. 126