völlig der Typ des Pfalz- und Burgstiftes72. Daß königliche Pfalzstifte hierzulande nicht begegnen, läßt sich für die ottonische Zeit mit den hier fehlenden Hausmachtin¬ teressen erklären, für die salische Zeit dann mit dem rasch fortschreitenden Ausver¬ kauf des Königsgutes. Erinnert sei, daß 1080 die königliche villa Wadgassen von Heinrich IV. als letztes Königsgut diesseits von Pfälzer Wald und Vogesen veräußert wurde71. Interessanter erscheint mir, daß sich aber auch kein Beleg für die Gründung eines Stiftes bei oder in Burgen des Adels finden läßt. Michel Parisse74 hat mit einer Fülle von Beispielen verdeutlicht, daß zu derselben Zeit in Lothringen bei Burgen Priorate der Benediktiner oder Cluniazenser entstehen. Für den Zeitraum von 1070 bis 1120 zählt er 26 derartige Gründungen auf, davon in der Diözese Metz Thi- court/Diedersdorf, Viviers und Lixheim, hinzuzufügen ist Wörschweiler als mit Horn¬ bacher Benediktinern besetzte Gründung der Grafen von Saarwerden75. Die von Südfrankreich und Italien ausgehende Kanonikerreform70, die den Stiftsher¬ ren neben dem gemeinsamen Leben auch die völlige Besitzlosigkeit auferlegte, erreichte in den neunziger Jahren des 11. Jahrhunderts auch die drei oberlothringi¬ schen Diözesen, fand aber ihren geringsten Widerhall in der Diözese Metz. Hier kam es nicht zur Reform bestehender Kollegiatstifte, sondern es wurde versucht, die neuen Ideale in Neugründungen zu verwirklichen, zunächst in Entwicklung eigener Formen mit materieller Unterstützung der Markgräfin Mathilde von Tuszien in Stan- dalmont bei Briey, später St. Pierremont genannt. Die angebliche Mitwirkung des Propstes von St. Salvator/Metz steht auf unsicherer Basis77. Als Augustinerchorherrenstift wird das Stift St. Arnual bei Saarbrücken mitunter in der Lokalliteratur bezeichnet78 und so auch in der Umgangssprache genannt. In den mittelalterlichen Quellen findet sich keine Stütze einer solchen Behauptung. Dage¬ gen wies Norbert Backmund79 darauf hin, daß das Kapitel von St. Arnual sich 1123 für kurze Zeit den „Gebräuchen“ des Prämonstratenserordens angeschlossen hatte. Lange Lebensfähigkeit zeigten die Neugründungen des Prämonstratenserordens in der Diözese80: Justmont bei Diedenhofen, Salival im Seilletal und Hl. Kreuz/Metz. 77 Jean-François Lemarignier, Aspects politiques des fondations des collégiales dans le royaume de France au XIe siècle (La vita commune 1) S. 19-40; Patrick Corbet, Les collé¬ giales comtales de Champagne (v. 1150 v. 1230) in: Annales de l'Est 29, 1977 S. 195-241; Ursu¬ la Lewald, Burg, Kloster, Stift, in: H. Patzke (Hrg.), Die Burgen im deutschen Sprach- raum 1, 1976 (= Vorträge und Forschungen 19,1 S. 155-180). 73 Eine Erfassung des Königsgutes in der alten Diözese Metz steht noch aus, neben allgemeinen, aber nicht vollständigen Auflistungen vgl. die Angaben über die ins heutige Saarland ragen¬ den Teile der Diözese in: Kurt Hoppstädter - Hans-Walter Herrmann, Geschichtl. Landeskde. d. Saarlandes Bd. 2, 1977, S. 72-80, Wolfgang Haubrichs, Die bliesgauischen Ortsnamen des Fulrad-Testamentes und die frühe Pfarrorganisation der Archipresbyterate Sankt Arnual und Neumünster im Bistum Metz, in: Jb. f. westdt. Landesgesch. 2, 1976, S. 23- 76 und 3,1977, S. 5-60. 74 Parisse (wie Anm. 10) S. 27-31. 75 Herrmann, Saarwerden (wie Anm. 45) Bd. 1 Reg. Nr. 44 und Beilage I S. 643 f. 76 Vgl. Anm. 14. 77 E r k e n s (wie Anm. 15) S. 55 ff. 78 Ruppersberg,St. Arnual S. 4 (vgl. Anhang „St. Arnual“ Literaturangaben). 79 Norbert Backmund, Monasticon Praemonstratense Bd. 3, S. 102. 80 Parisse (wie Anm. 10), S. 67-75. 123