18. Jh. von Dom Tahouillot und anderen Benediktinern zusammengestellten Polium, das Nicolas Dorvaux kritisch edierte und annotierte9. Michel Parisse geht in seinem für einen größeren Leserkreis geschriebenen Buch „La Lorraine monastique“10 11 nicht auf die Kollegiatstifte ein. Peter Moraw hat im Jahre 1980 nach Beschäftigung mit einzelnen Kollegiatstiften" den Versuch einer Typologisierung der Stifte, ihrer zeitlichen Schichtung und ihrer geographischen Verbreitung vorgelegt12. Im Folgenden möchte ich versuchen, einen Überblick über die im Mittelalter in der Diözese Metz bestehenden Kapitel von Kanonikern (Kollegiatstifte, Chorherrenstifte) zu geben13 und zu prüfen, inwieweit sie sich in die Morawsche Typologisierung einordnen lassen bzw. wo deutliche Abweichungen von seinen vornehmlich anhand rechtsrheinischer Verhältnisse gewonnenen Grundzügen zu erkennen sind. Freilich versteht sich mein Referat nur als ein erster Versuch, der in dem Maße korrekturbedürftig werden wird, wie die Edi¬ tion hoch- und spätmittelalterlicher Quellen aus dem Bereich der alten Metzer Diö¬ zese fortschreitet und die Geschichte einzelner Kollegiatstifte eine gründliche Aufar¬ beitung, nicht zuletzt nach prosopographischen Gesichtspunkten, erfahren wird. Ausgespart bleibt die unter dem Eindruck der gregorianischen Reform aufkommen¬ de strengere Richtung der Regularkanoniker14, die in der Diözese Metz zunächst in St. Pierremont15 auftritt, im weiteren Verlauf des 12. Jhs. dann in einigen Prämonstra- tenserkonventen sich äußert16. Für die Zeit vor 816 ist bekanntlich eine klare begriffliche Unterscheidung zwischen Stift und Kloster nicht möglich. Die Gesetzgebung Karls des Großen unterschied zwar schon zwischen canonici clerici, die in domo episcopali leben, denen, die in monasterio, die vita communis pflegten, und den Geistlichen, deren Obere nur pres¬ byteri waren, und ein Kapitulare von 805 forderte vom Klerus entweder monastice oder canonice zu leben17. Doch erst die Aachener Reformsynoden der Jahre 816, 817 9 Nicolas Dorvaux, Les anciens pouillés du diocèse de Metz, Nancy 1902, S. 260-269. 10 Michel Parisse, La Lorraine monastique au moyen âge, Nancy 1981. 11 Peter Moraw, Klöster und Stifte im Mittelalter, in: Pfalzatlas, Textband Im Speyer 1964, S. 19-31, vgl. auch Anm. 1. 12 Peter Moraw, Über Typologie, Chronologie und Geographie der Stiftskirche im deutschen Mittelalter, in: Untersuchungen zu Kloster und Stift, Göttingen 1980 (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 68, Studien zur Germania Sacra 14) S. 9-37. 13 Im Anhang sind die wichtigsten Daten zu Gründung, Statuten, Dignitären, Quellen und Lite¬ ratur zu den einzelnen Stiften zusammengestellt. 14 Michel Parisse, Les chanoines réguliers en Lorraine. Fondations, expansion XIe - XIIe siècles, in: Annales de l’Est 20, 1968, S. 347-388; Stefan Weinfurter, Neuere Forschungen zu den Regularkanonikern im deutschen Reich des 11. und 12. Jhs., in: Hist. Ztschr. 224, 1977, S. 379 ff.; derselbe, Reformkanoniker und Reichsepiskopat im Hochmittelalter, in: Hist. Jb. 97/98, 1978, S. 158 ff.; Franz-Reiner Erkens, Die Kanonikerreform in Oberlothringen, in: Hist. Jb. 107. 1987. 15 Franz-Reiner Erkens, Narratio et exordium monasterii de Sancti Petrimonte. Über die Anfänge des Kanonikerstiftes St. Pierremont in der Diözese Metz, in: Jb. westdt. Landes- gesch. 12,1986 S. 41-61, insbesondere S. 55 ff. 16 Parisse (wie Anm. 10) S. 63-70. 17 Josef Semm 1er, Mönche und Kanoniker im Frankenreiche Pippins III. und Karls des Großen, in: Untersuchungen zu Kloster und Stift (wie Anm. 12) S. 78-111, hier insbesondere S. 98 f. 114