Hans-Walter Herrmann Die KoHegiatstifte in der alten Diözese Metz Peter Moraw begreift die Stiftskirche bzw. das Kollegiatstift „als eine der interessan¬ testen Stätten der für das Mittelalter grundlegenden Begegnung von Kirche und Welt“1. Bei einer solchen Würdigung ist es erstaunlich, daß die Herausarbeitung gemeinverbindlicher Grundzüge dieser kirchlichen Lebensform erst in letzter Zeit eine stärkere Aufmerksamkeit der Forschung gefunden hat2. Die Vielfalt der inneren Struktur der einzelnen Stifte und die daraus resultierenden Schwierigkeiten verglei¬ chender Untersuchungen sowie eine für die Frühzeit spärliche Quellenlage dürften dabei hemmend oder gar entmutigend gewirkt haben. In den beiden letzten Jahr¬ zehnten ist die Zahl der sich auf einzelne Stifte beziehenden Arbeiten gewachsen. In dem Erzbistum Trier als nördlich angrenzender Nachbardiözese wurden im Rahmen der Arbeiten der Germania Sacra die beiden größeren Stifte St. Paulin/Trier3 und St. Kastor/Karden4 und die kleineren Stifte Oberwesel. Boppard, St. Goar5 und St. Flo¬ rin/Koblenz6 aufbereitet und die Quellen des Koblenzer Stiftes St. Kastor7 und eini¬ ger Stifte an der unteren Lahn* in regestenartiger Aufarbeitung ediert. Ferdinand Pauly^ unterscheidet in der Zusammenfassung seiner Ergebnisse über Siedlung und Pfarrorganisation in der alten Diözese Trier sechzehn KoHegiatstifte einer älteren und sechs einer jüngeren Gruppe, wobei er die Trennungslinie bei der Jahrtausend¬ wende ansetzt, skizziert ihre Gründungsgeschichten und schenkt ihrer Stelle im System der Pfarrorganisation besondere Beachtung. In der alten Diözese Metz in ihrer bis ins späte 18. Jh. gültigen Ausdehnung hat neuerlich nur das kleine und kurz¬ lebige Stift St. Blasius in Saarwerden eine ausführlichere Behandlung erfahren. Eine nicht vollständige Übersicht der ehemals vorhandenen Stifte findet sich in dem im ' Peter Moraw, Hessische Stiftskirchen im Mittelalter, in: Archiv für Diplomatik, Schrift¬ geschichte, Siegel- und Wappenkunde 23, 1977, S. 425-458, hier S. 427. 2 vgl. Artikel „Kanoniker“ von R. Schieffer im Lexikon des Mittelalters Bd. 5 Sp. 904 f. mit weiterführender Literatur; Artikel „Kapitel“ von H. J. Becker, ebenda Bd. 5 Sp. 938 f.; Bernd Schneidmüller, Verfassung und Güterordnung weltlicher KoHegiatstifte im Hoch¬ mittelalter, in: Ztschr. f. Rechtsgesch. kan. Abt. 103, 1986, S. 119-124; Josef Siegwart, Die Chorherren- und Chorfrauengemeinschaften in der deutschsprachigen Schweiz vom 6. Jh. bis 1160 (= Studia Friburgensia NF 30, Freiburg i. Ue. 1962). 3 Franz-Josef Hey en, Das Stift St. Paulin vor Trier, Berlin - New York 1972 (Germania Sacra NF Das Erzbistum Trier 1). 4 Ferdinand Pauly, Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel, Berlin - New York 1986 (Germania Sacra NF Das Erzbistum Trier 3). 5 Ferdinand Pauly, Die Stifte St. Severus in Boppard, St. Goar in St. Goar, Liebfrauen in Oberwesel, St. Martin in Oberwesel, Berlin - New York 1980 (Germania Sacra NF, Das Erz¬ bistum Trier 2). 6 Anton Diederich, Das Stift St. Florin in Koblenz, Göttingen 1967 (Studien zur Germania Sacra). 7 Aloys Schmidt, Quellen zur Gesch. des St. Kastorstiftes in Koblenz, 1. Band; Urkunden und Regesten (857-1400), Bonn 1953-55; derselbe, Quellen zur Wirtschafts- und Sozialge¬ schichte des Stiftes St. Kastor in Koblenz, 2 Bde., Koblenz 1975-1978. 8 Wolf Heino Struck, Quellen zur Gesch. der Klöster und Stifte im Gebiet der mittleren Lahn bis zm Ausgang des Mittelalters. 5 Bde., Wiesbaden 1956-1983, betr. folgende Stifte: St. Geor¬ gen/Limburg (Bd. 1), Dietkirchen, Diez, Gemünden, Idstein, Weilburg (Bd. 2 u 5). 84 Ferdinand Pauly, Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier, Zusammenfas¬ sung und Ergebnisse, Koblenz 1976, S. 395-429. 113