Im Bereich des Schwarzbachs und der Queichtalstraße zeigt die Karte starkes widoni- sehes Besitzsubstrat beiderseits der Diözesangrenze, nur unterbrochen durch den Pfarrbezirk Rodalben. Die Grenze richtete sich hier nicht nach dem widonischen Besitz, sondern nach der Waldmark des tief im Metzer Bistum gelegenen Klosters Herbitzheim und dem Hornbacher Altbesitz. Der erst im 9. Jahrhundert an Horm bach gekommene und ja bezeichnenderweise bereits zum Speyergau gehörige Bezirk Wilgartswiesen vermag die Grenze nicht mehr zu ändern. Nur die auffällige sackartige Ausbuchtung der Speyrer Diözese bei Waldfischbach und Burgalben scheint nicht so alt zu sein. Das Waldfischbacher Weistum hat uns außerordentlich archaische Weiderechte und Rechtszüge der Hornbacher Höfe von Contwig und Meisenbach in der Waldmark nördlich des oberen Schwarzbachs be¬ wahrt186. Im Contwiger Pfarrbezirk, in Niederauerbach, existierte noch in ottonischer Zeit Königsgut, 972 ein Markt187. Es ließe sich denken, daß sich in den Zusammen¬ hängen zwischen Contwig und Waldfischbach - zwischen Hof und louba, dem „Laub¬ mastwald“188 - eine früh zerbrochene Fiskalorganisation entlang des Schwarzbachs spiegelte. Die neue Ostbindung im Bereich von Waldfischbach wird erst entstanden sein, als Eigenkirchenherr von Hornbach und Diözesanherr von Speyer identisch wurden189. Vielleicht ist an Bischof Johannes von Speyer nach 1090 zu denken, der auch sonstwo die Speyrer Diözese erweiterte190. Später war dies kaum noch möglich, da die Besitzrechte im Bezirk von Waldfischbach bereits im 12. Jahrhundert außeror¬ dentlich partikularisiert waren. Ansonsten jedoch scheinen mir die Verhältnisse an der Grenze zwischen den Diöze¬ sen Metz, Worms und Speyer ins 8./9. Jahrhundert zu weisen, in jene Zeit, als - wie oben gezeigt - die Aufsiedlung der Westricher Hochfläche in vollem Gange war. Zu Metz kam gewissermaßen aller Siedlungszuwachs der Karolingerzeit; doch reicht die¬ ses Kriterium, da die Diözesangrenze über die karolingische Besiedlungsgrenze nach Osten hinaus führte, nicht aus. Es müssen zur Erklärung auch die Besitz- und Herr¬ schaftsverhältnisse der ottonisch-salischen Epoche herangezogen werden. 186 Vgl. o. Anm. 139. 187 MG DD Otto I. Nr. 424. 188 Die Waldbezeichnung findet sich in der Pfalz in drei Siedlungsnamen, bezeichnenderweise zweimal im .Reichsland’ und ein drittes Mal beim Königshof Eisenberg. Vgl, Dolch/ Greule (wie Anm. 16) S. 279f. Das Problem des Speyrer Vorschubs’ in diesem Bereich läßt sich nicht durch den gern gege¬ benen Hinweis auf die Dynamik des Reformklosters Eußerthal lösen. Das Zisterzienserklo¬ ster besaß nur einen kleinen Teil des Speyrer Westzipfels, den Lauber Wald (Anm. 140). Daneben aber gab es Hornbacher Rechte in Waldfischbach und im Hochmittelalter auch Saarbrücker Rechte an Burgalben. Weiter führt vielleicht ein Hinweis auf den archaischen Rechtszug von Burgalben nach Queichhambach und Godramstein, der sich auf ein frühes Organisationsschema schon des Bliesgauklosters beziehen muß. Das Bistum Speyer erreicht dann 1087 die Schenkung der abbacia nomine Hornbach durch Heinrich IV,, die 1100 in erweiterter Form (Einbezug der Vogteirechte) bestätigt wurde: Remling (wie Anm. 75), Bd. 1, Nr. 66. 71. Vgl. Doll (wie Anm. 53), S. 27f.; Rödel (wie Anm, 1), S. Xf. 190 Vgl. H. Büttner, Zur Vogteientwicklung des Stiftes Hördt, in: ZGO NF 49 (1936), S. 341- 370, bes. S. 354 Anm. 1: 1099 Lösung der Abtei Sinsheim aus dem Wormser Diözesanver- band. 72