ganz den in der Konstitution Ludwigs des Frommen von 822 für die forestarii und Forsthufen des Vosagus angetroffenen Verhältnissen und den in späteren Horn¬ bacher Urkunden sichtbar werdenden Rechtszuständen61 *. Servi und liberi wirken nebeneinander und werden bei der Landerschließung teilweise von Abgaben befreit. Die Hornbacher Urkunden zeigen aber auch, daß die Landerschließung, welche Klo¬ sterherr und Kloster Vornahmen, auf Königsland vor sich gingen02. Es kam zu zahlrei¬ chen Konflikten zwischen Fiskus und Kloster. So wird man die Angaben der Pirmins- vita nicht ganz wörtlich nehmen dürfen: Die Erschließung des Landes in dem durch die -weiler, -hofen und -hausen-Orte gebildeten Halbkreis um Hornbach herum war nicht nur ein Werk des Klosters, sondern vollzog sich wohl in einem zunächst nicht genau abgrenzbaren Miteinander von Fiskus, von mit Königsland belehnten Ange¬ hörigen der Gründerfamilien, von procuratores und Kloster selbst. Erst 823 kam es ja zu einer Abteilung des Landes, in dem Hornbach wirkte, zwischen dem Kloster und dem Fiskus entlang einer Altstraße, die auf Wilgartswiesen, auf das Queichtal zielte1’3. Der Ausbau der Siedlung bildet auch die Grundlage der Extension der Gaue in das Waldgebirge hinein. Dabei kam zunächst im Westen nur der Bliesgau in Frage, der im Süden bis in die Region der Eichel, eines rechten Zuflusses der oberen Saar, ex¬ pandierte, und nach Osten in die Region der Tributärbäche der Blies vorstieß. Auf Karte 4 läßt sich der Prozeß der Raumorganisation für das Waldgebiet noch deutli¬ cher beobachten. Für das gesamte Waldland zwischen Rhein und Blies galt seit der Antike der kelti¬ sche Name Vosagus, in germanischer Lehnform Wásego (verballhornt später Was¬ gau), Wasichen, frz. Vosges, in gelehrter Bildung VogesenM. Die Belege reichen im Osten bis Weißenburg, umschließen den Bienwald südlich Bergzaberns und ergreifen 61 MG Formulae 319f. Nr. 43; BM 764: Die freien forestarii werden von allen Abgaben und Diensten außer einer Steuer, der stoffa, befreit, während die fiskalinen wie die kirchlichen servi Dienste und Abgaben für ihre munsi leisten. Vgl. Doll (wie Anm. 52), S. 24f. Die Abgaben der homines ingenui auf Hornbacher Klosterland, die vorher dem Fiskus gebührten, werden seit König Pippin (751/52-768) dem Kloster selbst geschuldet, nicht aber die der servi. Vgl. Neubauer (wie Anm. 45>) Nr. 10 (Ludwig der Fromme 814); Nr. 15 (Lothar I. 833); Nr. 28 (Otto III. 993?); MG DD Lothar I Nr. 15; Th. Zotz. Beobachtungen zur königlichen Grundherrschaft, in: W. Rosen er (Hg.), Strukturen der Grundherrschaft im frühen Mittel- alter, 1989, S. 102. 62 Die Schenkung der Fiskalabgaben der Hornbacher ingenui homines durch Pippin, Ludwig den Frommen, Lothar 1. und Otto III. setzen die fiskale Herkunft dieser Gruppen voraus (Anm. 61), Daß Widonen und Kloster Königsland an sich gebracht hatten, zeigen weitere Urkunden, auch solche, die Konflikte zwischen Fiskus und Kloster behandelten: Neubauer (wie Anm. 45) Nr. 11 (819); 12 (823); Nr. 16 (833) Vgl. Doll (wie Anm. 52), S. 23f., der dar¬ auf aufmerksam macht, daß sich der an Hornbach gekommene alte Widonenbesitz vorwie¬ gend und kaum zufällig an der Südgrenze des Kaiserslauterer Reichslandes massiert. Die Konflikte zwischen Fiskus und Kirche wiederholen sich beim Reimser Remigiusland um Kusel: vgl. H ine mar, Vita S. Remigii, MG SS rer. Mer. III 257. 323. M Vgl. u. Anm. 177. M Zu unserem Abschnitt des Vosagus vgl. O. Gödel, Vosegus-Inschrift von Busenberg, in: Pfälzer Heimat 31 (1980), S. 121 f.; E. Mensching, Vosegus und die Vogesen. Die Vogesen als geographischer Begriff in römischer und frühmittelalterlicher Zeit, ebd. 33 (1982), S. 7-19; Doll (wie Anm. 53) S. 21; H. Werle, Wald und Herrschaft. Studien zur Geschichte der Reichswaldgenossenschaft Kaiserslautern, in: Jb. z. Gesch. von Stadt u. Landkreis Kaiserslau¬ tern 8/9 (1970/71 ) S. 35-66, bes. S. 42ff. 47