Lyonnais II“ (1975)15 enthalten leider kein Wortregister, das für den zweiten Teil- band angekündigt ist. Eine oberflächliche Durchsicht bringt für die Zollstelle {péage) von Rochetaillée 1388 - 1391 die Form la veilli de Chalendes [143] und für 1320-1324 für Lyon lo sando davant Chalendes [doc 47, 30]. Jud schreibt [278]: „Si, au Ve siècle, Lugudunum propageait dans l’étendue de son diocèse calendas comme nom de la fête appelée natalis à Rome, on voit la métropole du Sud-Est abandonner dès le XVIe siècle la tradition séculaire en sacrifiant son ancien tsalende au profit du français noël déguisé sous la forme patoise nqyç que la ville moderne va imposer à sa grande ban¬ lieue.“ Besonders interessant sind jene kirchensprachlichen Bezeichnungen, die eine bestimmte Diözese oder Kirchenprovinz charakterisieren: Bei der Redaktionsarbeit am etymologischen Wörterbuch der italienischen Sprache (Lessico etimologico italia- no) bin ich auf ein solches Kirchenwort des Erzbistums Mailand gestoßen. Es handelt sich um die Bezeichnung von Christi Himmelfahrt. In frühchristlicher Zeit standen sich ASCENSA und ASCENSIO gegenüber. Im Sacramentarium des Gelasius und bei Gregor im 6. Jh. steht ASCENSA, bei Irenaeus (4. Jh.) und in den „Concilia Aevi Merovingici“ findet sich ASCENSIO, das sich später in Frankreich mit Ascension durchsetzt. Das Erzbistum Mailand verwendet eine Kontaminationsform: ascensia. Die Belege stimmen auffallend mit den Grenzen des Bistums überein15“. Die Feststellung von Kirchenwörtern und deren Vergleich mit der Ausdehnung von kirchlichen Raumstrukturen kann aber auch Schwierigkeiten und Tücken enthalten. Dies zeigt das Beispiel von regionalfr. moti < fr. montier. Da dialektales moti (= fr. moûtier) in der Bedeutung „église de n’importe quelle paroisse“ in Lothringen, in den Vogesen, Franche-Comté und in einem Teil der Westschweiz vorkommt, nahm Jud [S. 230] an, daß dieses Wort vom berühmten Vogesenkloster Luxeuil und im Osten von Metz ausgestrahlt sein könnte: „moti au sens d\église de n’importe quelle paroisse’ paraît avoir son point de départ dans l’organisation de l’Eglise chrétienne que dirigeaient, dans les Vosges et dans le Jura, le célèbre Monastère de Luxeuil et, dans l’Est, le moutier fondé par saint Chrodegang“. Jänicke schreibt in dem 1969 publizierten FEW-Kommentar s. v. monasterium: „Vor allem in der nördlichen Galloromania hat sich früh aus der ursprünglichen bed. ,klo- ster’ die bed. ,kirche‘ entwickelt. Dieser bed. wandel von ,kloster‘ zu ,(kloster)kirche‘ kann sich nur im Sprachgebrauch christlicher laien vollzogen haben. Für sie war die klosterkirche, die sie zum gottesdienst aufsuchten, der wichtigste und allein zugängli¬ che teil des klosters. Verallgemeinernd konnte moutier dann auch auf jede beliebige kirche übertragen werden ... In neuerer zeit lebt das wort nur noch in Lothringen und der Westschweiz fort, und zwar in der bed. ,pfarrkirche1.“ Bei Jänicke noch nicht berücksichtigt ist der 1968 von Paul Aebischer zu monasterium publizierte Beitrag in 15 P. Durdilly, Documents linguistiques de la France, Lyonnais II (1975), Paris 1975. ,5a Lei 3,1542. 24