unabhängig von der Verwaltungseinteilung des römischen Reiches. Im Gegensatz dazu ist die westlich des Rheins gelegene Eifelbarriere neben Erzbistum-Grenze auch Grenze zwischen Ripuarien und Moselherzogtum, und zur römischen Zeit stießen hier die Provinzen Germania inferior und Germania superior aufeinander. Morf hat zu Recht den Bistumsgrenzen eine große Bedeutung zugemessen, da die alte kirchliche Gliederung auf die römischen civitates zurückgeht und diese wiederum auf den gallischen gentes beruht, d. h. auf einer frühen ethnischen Gliederung des Landes. Morf schrieb [S. 32]: „Die französischen Bistümer sind also - erst weltliche, dann kirchliche - Verwaltungseinheiten, die durch achtzehnhundert Jahre ohne erhebliche Änderungen bestanden haben. Die Bistumsgrenzen sind demnach Ver¬ kehrsgrenzen, die während fast zweitausend Jahren Frankreich durchfurcht haben, während die politischen Grenzen unaufhörlich wankten und wechselten.“ Diese Ansicht übernimmt auch Christian Schmitt [S. 310]: „Die einzige, das römische Welt¬ reich überdauernde und dennoch dessen Prinzipien stets treu gebliebene Konstante stellt die Römische Kirche dar, ihre Bistumsgrenzen fallen in Frankreich, von gerin¬ gen Ausnahmen abgesehen, mit den Verwaltungsgrenzen der alten römischen civita¬ tes und provinciae und damit wiederum mit den Gaugrenzen der vorromanischen Völker Galliens zusammen.“ Diese Konstanz der Bistümer als sprachliche Einheit war auch im Mittelalter bekannt. So schreiben z. B. die Leys d’amors den südfranzö¬ sischen Dichtem vor, daß sie sich in Fällen zweifelhaften Sprachgebrauchs an jene Formen halten sollen, die in einer ganzen Diözese verwendet werden: ([11.210]) quar cove que per tota una diocezi sian acostumat de dire, E quar per totz los locz general¬ men que son en la diocesi de Tholoza hom non ditz aytals motz, per so nos nols devem dire6. Betrachten wir zunächst drei Beispiele für den Zusammenfall von kirchlichen und von sprachlichen Grenzen: Mein Lateinlehrer Franz Fankhauser7 hat in seiner hervorragenden Dissertation über das Val d’Illiez, ein frankoprovenzalisches Seitental der Rhone im Unterwallis, gezeigt, daß in diesem abgelegenen Bergtal die beiden Hauptdörfer Val d’Illiez und das Nachbardorf Troistorrents sprachlich durch ein Isophonenbündel voneinander getrennt sind, das nicht weniger als 21 Isophonen umfaßt; dazu kommen noch 13 morphologische und eine ganze Reihe lexikalischer Unterschiede. Nach Morf ist der Grund in der verschiedenen kirchlichen Zugehörigkeit zu sehen [S. 31]: „Val d'Illiez und Troistorrents waren jahrhundertelang kirchlich getrennt zwischen dem Bistum von Sitten und dem von Genf.“ Fankhauser schreibt weiter [S. 12 s.]: „Denn der Gegensatz zwischen Val d’Illiez und Troistorrents, welch beide in weltlicher und kirchlicher Beziehung nie unter dem gleichen unmittelbaren Herren gestanden hat¬ ten, konnte nur verstärkt werden durch den Umstand, dass Val d’Illiez an eine aus¬ serhalb der DiÖcese Sitten gelegene Abtei kam“ [an die Abtei Abondance im Zeit¬ raum 1331 - 1608] und dazu die Anmerkung 6: „Die Erklärung der grossen 6 M. Gatien-Arnoult, Las Flors del Gay Saber, estiers dichas Las Leys d’Amors, 3 voll., Tolosa 1841-43. 7 F. Fankhauser, Das Patois von Val d’Illiez (Unterwallis), Halle 1911. 18