lins (bisher XVI. Korps). Zum Ausgleich für letztere erhielt das Metzer Korps die seit 1816 zum VIII. Korps gehörenden Landkreise Saarlouis, Merzig und Saarburg/Rhld., so daß nunmehr das Saarrevier von der Korpsgrenze geteilt wurde (vgl. Karten¬ beilage). Die konkurrenzlos günstige Verkehrslage im wahrscheinlichen Aufmarschgebiet gegen Frankreich gab sicher den Ausschlag, daß Saarbrücken17 - seit 1815 Standort eines Kavallerieregiments, 1887 einer Infantriebrigade, 1896 auch einer Kavalleriebrigade und 1898 der 4. Kavallerie-Inspektion - Sitz des neuen Generalkommandos wurde, dem noch im gleichen Jahr die 7. Armeeinspektion unter Generaloberst, zuletzt Generalfeldmarschall, Hermann v. Eichhorn (1848-1918) folgte. Der damit erreichte militärische Nimbus rückte das wirtschaftliche Zentrum des Montanreviers zwischen Saar und Mosel, das erst 1909 durch die Vereinigung der Nachbarstädte Saarbrük- ken, St. Johann und Malstatt-Burbach Großstadt geworden war, sichtlich in die Reihe der Machtmetropolen des wilhelminischen Reiches und verlieh ihr einen mancher Haupt- und Residenzstadt, auch der Bezirkshauptstadt Trier, abgehenden Status, der die nach Kriegsende ansetzende Entwicklung zur Landeshauptstadt praedisponierte. Für das von den Festungen Metz, Diedenhofen und Straßburg gedeckte Saarbrücken sprach nicht zuletzt die veränderte strategische Konzeption, d. h. die Moltke’sche Version des Schlieffenplans,18 die sich auch in dem Länder-, Bezirks- und landmann¬ schaftliche Grenzen ignorierenden Zuschnitt des neuen Korpsbezirks ausdrückt, der - dem Verkehrsnetz angepaßt - sich schlauchartig von der Reichsgrenze an Donon und Seille zum Mittelrhein bei Bingerbrück und mit einem breiten Divertikel durch das Unterelsaß wiederum zum Rhein erstreckte. Dem modifizierten Kriegsplan gegen Frankreich zufolge sollte das neue Grenzkorps zunächst zusätzlich die Aufmarschzo¬ ne, das Saarindustriebecken, die Verkehrslinien zum Mittelrhein sichern, dann als Verband der 6. Armee den aus der Position de Nancy erwarteten französischen Angriff in der Nied-Saar-Stellung auffangen und bei der alsbald von Metz und Straßburg aus vorgetragenen Gegenoffensive die Franzosen zwischen Saar und Seille einkesseln und ausschalten helfen, um anschließend zum Endsieg auf den rechten deutschen Angriffsflügel nach Nordfrankreich abgefahren zu werden. Das Resultat der beiderseits äußerst blutigen Lothringer Augustschlachten19 war bekanntlich eine vierjährige Remissteilung entlang der südlichen Korpsgrenze, die zugleich Staatsgrenze war. 17 Neuere Lit. bei H. Klein, Saarbrücken - Vom Burgflecken zur Saarmetropole, in: Saarbrük- ker Hefte 54, 1985, S. 57-67, H.-W. Herrmann, Saarbrücken, in: Stadt an der Grenze, hg. v. B. Kirchgässner, 1990, S. 119-135. - Der militärischen Komponente in der jüngeren Stadtentwicklung u. ihren politischen, sozialen u. städtebaulichen Auswirkungen (Kasernen, Depots, Militärwohnungen, Verkehrsmittel usw.) ist noch nachzugehen. Als 1914/15 Pläne zur Aufteilung Eis-Lothringens kursierten (dazu Wehler wie Anm. 28), schwärmte Weszkal- nys (Tagebuch Bl. 107 zum 1. Aug. 1915, vgl. oben Anm. 8) von der „in greifbare Nähe“ gerückten Chance Saarbrückens, die Hauptstadt eines neuen preuß. Reg.-Bez., der weite Teile der Rheinprovinz u. Lothringens (wohl das Industrierevier) umfassen sollte, zu werden. ,s Dazu u. a. W. Groener, Der Feldherr wider Willen, 1931, H. Gackenholz, Entscheidung in Lothringen 1914, 1933. 19 Der Weltkrieg 1914-18, bearb. im Reichsarchiv, Bd. 1: Die Grenzschlachten im Westen, 1925, Die Schlacht in Lothringen u. in den Vogesen 1914, hg. v. Bayer. Kriegsarchiv, 2 Bde., 1929. 153