Grund der beschriebenen Konstellationen gerade im Saarrevier eine besondere Affini¬ tät zu den Institutionen staatlicher und wirtschaftlicher Macht, die ein nicht unbe¬ trächtliches Maß sozialer Kohärenz erzeugte und jene starke Vernetzung und Milieu¬ dichte ersetzte, die dem Katholizismus seit dem Kulturkampf eigentümlich waren. Die geringere subkulturelle Verankerung rächte sich erst, als nach 1900 die Herrschafts¬ praktiken und mit ihnen zunehmend auch die Institutionen der Macht in eine Legitimitätskrise gerieten. Mit der heraufziehenden „saarabischen“ Götterdämmerung begann auch hier jener Prozeß der Entkirchlichung, der in anderen industrialisierten Regionen bereits weit stärker fortgeschritten war.56 56 Vgl. Thomas Nipperdey, Religion im Umbruch: Deutschland 1870-1918, München 1988, S. 118-123; Jochen-Christoph Kaiser, Sozialdemokratie und „praktische“ Religionskritik. Das Beispiel der Kirchenaustrittsbewegung 1878-1914, in: Archiv f. Sozialgeschichte 22 (1982), S. 263-298; Richard J. Evans, Religion and Society in Modern Germany, in: ders., Rethinking German History. Nineteenth-Century Germany and the Origins of the Third Reich, London-Boston-Sydney-Wellington 1987, S. 125-155; in vergleichender Perspektive Hugh McLeod, The Déchristianisation of the Working Class in Western Europe 1850-1900, in: Social Compass 27 (1980), S. 191-214. 70