vermittelt und ein Recht auf gewerkschaftliche Organisation eingeräumt. Alexander Tille, Geschäftsführer der Saarbrücker Handelskammer und sozialdarwinistischer Arbeitgeberideologe, wurde wegen seiner gewerkschaftsfeindlichen Äußerungen aus der nationalliberalen Partei ausgeschlossen.48 Der Regierungspräsident erwartete nach dem Ende des Streiks eine weitere Verbreitung des Christlichen Metallarbeiter-Ver¬ bandes.49 Der CMV konnte sich aber nur kurze Zeit seines scheinbaren Erfolges freuen. Schon am 25. März 1906 war der „Burbacher Hüttenverein“ gegründet worden, ein gelber Werkverein, der alle Differenzen zwischen Hüttenverwaltung und Hüttenleuten auf friedlichem Wege auszugleichen beabsichtigte.50 Bei einem geringen Beitrag gewährte er verschiedene Unterstützungen, später wurden die Dienstaltersprämien nur noch an Werkvereinsmitglieder gewährt. Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft schloß die im Hüttenverein aus. Bereits Ende 1906 waren bei einer Belegschaft von 4 960 Mann 2 274 Mitglieder im Burbacher Hüttenverein, 1912 waren es 86,5 % der Belegschaft. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges gab es auf allen Saarhütten außer in Dillingen gelbe Werkvereine, die insgesamt etwa 12 000 Mitglieder hatten.51 Die übrigen Branchen und die freien Gewerkschaften Freie Gewerkschaften und Sozialdemokratische Partei waren die Zweige einer Arbei¬ terbewegung, so daß sich für die Frühzeit oft nicht unterscheiden läßt, ob gewerk¬ schaftliche oder Parteiagitatoren tätig wurden. An der Saar waren erstmals 1877 Sozialdemokraten aufgetreten.52 Dies hatte zu dem „Sozialistengesetz der Saarindus¬ trie“ geführt: die Arbeitgeber unter Einschluß des preußischen Bergfiskus hatten beschlossen, alle sozialdemokratisch gesinnten Arbeiter sofort zu entlassen. In den 80er Jahren führte eine freie Hilfskasse der Metallarbeiter die sozialdemokra¬ tische Tradition weiter, aber bis wieder Sozialisten an der Saar offen aktiv werden konnten, dauerte es bis zur Aufhebung des Sozialistengesetzes am 1. Oktober 1890. Auch die Streikbewegung der Bergarbeiter 1889 bis 1893 brachte der SPD und den Freien Gewerkschaften trotz verschiedener Anstrengungen keine dauernden Erfolge. In den 1890er Jahren entstanden lediglich Zahlstellen freier Gewerkschaften in den Saarstädten. Meist handelte es sich um Handwerker. Durch ihre Wanderschaft hatten sie neue Erfahrungen gewonnen, und manche hatten sich der Sozialdemokratie angeschlossen. Bereits 1894 klagte ein Arbeitgeber aus Saarbrücken, daß es kaum 48 Beilot, (s. Anm. 37) S. 220. 49 Bericht Reg-Präs. Trier an Minister des Innern, Minister für Handel und Gewerbe und Oberpräsident Koblenz vom 12. Juni 1906, LHA Koblenz Best. 442 Nr. 3753. so Kalender für das Jahr 1913 des Bezirksverbandes der Werkvereine im Saargebiete, zit. nach Gabel, (s. Anm. 42) S. 162. 51 Gabel, (s. Anm. 42) S. 162-175. 52 Vgl. Mallmann, Bergarbeiterbewegung (s. Anm. 16) S. 62-85; Klaus-Michael Mallmann, Die Anfänge der Sozialdemokratie im Saarrevier, in: Zeiischr. für die Geschichte der Saargegend 28/1980, S. 128-148; ders., „Dies Gebiet ist bis jetzt noch eine vollständige terra incognita“. Die verspätete SPD im Saarrevier, in: Richtig daheim waren wir me (s. Anm. 36) S. 65-70. 51