den Saarkreisen, den Kreisen Saargemünd und Kreuznach und im Fürstentum Birkenfeld an.189 Saarbrücken war nach Straßburg, Köln und Mainz die viertgrößte Stadt auf dem linken Rheinufer mit 105 089 Einwohnern im Jahre 1910.190 Wilfried Loth charakte¬ risiert die Stadt in ihrer Verbindung von preußisch-neudeutschem Prunk und industri¬ eller Leistungsfähigkeit als geradezu ein Modell des kaiserlichen Deutschlands.191 Sie schien sich anzuschicken, das Oberzentrum für einen Bereich zu werden, der nicht nur die preußischen Saarkreise, sondern auch die preußischen und oldenburgischen Gebiete an Nahe und Glan und im Hochwald, die Westpfalz und mindestens das östliche Lothringen umfaßte. Noch einmal zeigte sich Saarbrückens zentrale Stellung, als im November 1918 die Arbeiter- und Soldatenräte von Forbach, St. Avold und Oberhomburg, von Freuden¬ burg im Kreise Saarburg und des Fürstentumes Birkenfeld sich dem Saarbrücker Rat unterstellten.192 Damit zeichnete sich auch im politischen Bereich das Gewicht der Saarmetropole ab. Wenige Monate später setzte eine Entwicklung ein, die die Industriestandorte und die zugehörigen Arbeiterwohngebiete zu einer Verwaltungs¬ einheit zusammenschloß unter Aufhebung der bisher vorhandenen preußisch-bayeri¬ schen Grenze und die die Stadt Saarbrücken auf das „Saargebiet“ mit einem neuen, nun um die ehemals bayerischen Teile erweiterten geographischen Begriffsinhalt beschränkte. „Südwestdeutsch“ fühlte man sich in Saarbrücken noch in den 1920er Jahren.193 In der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts hat sich diese Bezeichnung verlagert. Die nicht amtliche Bezeichnung „Südweststaat“ für das aus der Vereinigung der Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern entstandene Bundesland und der Name der in Baden-Baden ansässigen Rundfunkanstalt als Südwestfunk kennzeichnen die geographischen Vorstellungen, die sich heute mit „südwestdeutsch“ verbinden. So fällt das Ende unseres Untersuchungszeitraumes zusammen mit dem Zerfall der von hier einst ausgegangenen südwestdeutschen Ambitionen und mit dem Beginn der rauhen, oft existenzbedrohenden saarländischen Wirklichkeit. 189 Nachweise in dem Adreßbuch 1911 S. 41, 43, ferner LA Saarbrücken Best. 564 Nr. 62 S. 112. 190Vergleichszahlen bei Hans-Walter Herrmann, Zum 50jährigen Bestehen der Großstadt Saarbrücken, in: Saarbrücker Hefte 9, 1959 S. 22. 191 Loth, Wilfried, Preußens Bastion im Westen. Wie Saarbrücken Großstadt wurde, in: Richtig daheim waren wir nie (wie Anm. 12) S. 77-81. 192 Im November 1918 scheint das Wort „Saargebiet“ noch nicht die Westpfalz mitumfaßt zu haben, vgl. „Arbeiter- und Soldatenrat für die Saargegend“; Hanns Klein, Geschichte des Landkreises Saarbrücken 1815-1965 (wie Anm. 177), S. 85. 193 „Südwestdeutsche Heimatblätter. Beiträge zur Heimatforschung in der südwestdeutschen Grenzmark“, hrsg. von Adolf Raskin, 1. Folge 1928, Saarbrücken, Gebr. Hofer. 39