solchen Modells, ausgehend vom Endpunkt der entwickelten kapitalistischen Indu¬ striegesellschaft, die zu ihr führende soziale Entwicklung als Vorgeschichte darge¬ stellt. Er hat sich bewußt auf die Literatur und auf gedruckte Quellen beschränkt, weil er nach seinen eigenen Worten (S. 28) nicht historische Forschung als seine Aufgabe ansah, sondern die gesellschaftstheoretische Interpretation des vorhandenen historischen Wissens. Eine Überprüfung seiner Ergebnisse, die er selbst teilweise als „kühne Hypothesen“ anspricht, anhand des vorhandenen ungedruckten Materials und die eingehende Auseinandersetzung mit ihm erscheint mir für die künftige sozialge¬ schichtliche Forschung unerläßlich. Dabei wird jedem, der sich mit dieser Zeit befaßt, sein umsichtig zusammengetragenes Literaturverzeichnis zustatten kommen. Bei dem derzeitigen Forschungsstand steht unter allen Berufsständen der Bergmann auf den preußisch-fiskalischen Gruben des Reviers im Vordergrund. Bei der Bestim¬ mung der Faktoren zur Ausbildung eines saarländischen Arbeiterstandes mit eigenen Wesensmerkmalen hat Maria Zenner136 vorgeschlagen zu untersuchen, ob aus dem frühen saarländischen Kohle- und Erzabbau, besonders des 18. Jhs., Elemente einer bergbaulichen Lebenssicht und eines bergmännischen Standesbewußtseins übernom¬ men wurden. Prägend wirkte gewiß die Siedlungspolitik des preußischen Bergfiskus, die Klaus Fehn in einer Monographie noch einmal ausführlich beschrieb.137 Durch die Gewährung von Prämien und Darlehen begünstigte der Fiskus die Bildung von Kleineigentum, bestehend aus Haus und kleinem Grundbesitz. Als Zweck und Ergebnis dieser Siedlungspolitik wird immer wieder, noch vor den lohnpolitischen Absichten, die Verringerung der Mobilität der Arbeiterschaft durch ihre Bindung an Kleingrundbesitz genannt. „Bodenverwurzelt und betriebsverbunden“ charakterisiert Fritz Hellwig den Saar-Arbeiter.138 Aber niemand hat m. W. bisher untersucht, wie es mit der Fluktuation der Bergleute stand, ob wirklich das langjährige Anfahren auf ein- und derselben Grube die Regel war. Die im Landesarchiv Saarbrücken verwahrten Stammbücher der preußischen Staatsgruben aus dem letzten Jahrzehnt vor Kriegsaus¬ bruch würden zumindestens für diese Zeit eine auf quantifizierende Untersuchungs¬ methoden gestützte Aussage erlauben. Die Baugestalt des Arbeiterhauses bzw. Arbeiterbauernhauses ist seit kurzem auch in das Blickfeld von Denkmalpflegern und Architekten gerückt,139 nicht zuletzt, weil die Erhaltung seines ursprünglichen Aussehens durch einen Wettbewerb gefördert wird. 136Zenner, Maria, Probleme des Übergangs von der Agrar- zur Industrie- und Arbeiterkultur im Saarland, in: Soziale Frage und Kirche (wie Anm. 32) S. 65-78. 137Fehn, Klaus, Preußische Siedlungspolitik im Saarländischen Bergbaurevier (1816-1919), Saarbrücken 1981 (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland 31). 138 Hellwig (wie Anm. 17) S. 70. 139Slotta, Rainer, Fördertum und Bergmannshaus, Saarbrücken 1979; Kirsch, Karl - Birtel, Rudolf, Saarländische Arbeiterhausfibel. Anregungen und Hinweise für die Restaurierung saarländischer Arbeiterhäuser, hrsg. im Rahmen des Wettbewerbs „Saarländische Arbeiter¬ häuser - Zeugnisse unserer Industriekultur“, Staatl. Konservatoramt des Saarlandes mit Unterstützung durch die saarländischen Sparkassen und durch die Landesbausparkasse, Saarbrücken 1986; Bausen, Ernst Johannes, Geschichte des Bergarbeiterwohnungsbaus als Rahmenbedingung für das Saarbrücker Prämienhaus in der Zeit des preußischen Bergfiskus von 1816 bis 1919, ing. Diss., Technische Hochschule Aachen 1986. 29